Realgar, Rauschrot toxisch
engl. Realgar
Nach dem arabischen Begriff rahdsch al-ghar („Minenpulver“)
Formel
Stoffgruppe
Farbe
Strich
Glanz
Transparenz
Härte (Mohs)
Dichte
Spaltbarkeit
Bruch

Kristallsystem
Kristallklasse
α-As4S4
Sulfide
rot, orange
orangegelb
Diamantglanz, Fettglanz
durchsichtig bis durchscheinend
1,5 – 2
3,5 g/cm³
gut
muschelig, splittrig

monoklin
monoklin-prismatisch
Realgar aus der Getchell Mine in NevadaLupe
Eigenschaften
Pararealgar
Kristallformen
Geschichte
Vorkommen
Verwendung
Beschreibung
Eigenschaften

Realgar ist ein rotes, weiches Arsenmineral, das sehr toxisch ist. Es ist spröde und lässt sich gut spalten. Beim Zermahlen entsteht ein orangerotes Pulver. Der Reaglar zerfällt unter Lichteinfluss zu orangegelbem Pararealgar. Realgar zersetzt sich in Königswasser unter Schwefelabscheidung. Mit Säuren und Laugen kann der extrem toxische Arsenwasserstoff entstehen. Das Mineral schmilzt vor dem Lötrohr und zersetzt sich unter Knoblauchgeruch. Dabei entsteht eine fahlblaue Flamme. Die Marshprobe auf Arsen verläuft positiv. Der ebenfalls rote und ähnliche Lorándit färbt aufgrund seines Thalliumgehalts die Flamme grün. Der rote Zinnober ist viel schwerer.


Realgar und Pararealgar
Lupe
Realgar und Pararealgar aus China
Calcit mit Realgar
Lupe
Calcit mit Realgar aus der Shimen Mine in China
Realgar
Lupe
Realgar, Grube Lengenbach, Binntal
Realgar mit Dufrenoysit
Lupe
Realgar mit Dufrenoysit aus der Grube Lengenbach
Realgar mit Pyrit
Lupe
Realgar mit Pyrit aus der Grube Lengenbach
Pararealgar

Der gelborange Pararealgar ist das Zerfallsprodukt des Realgars, wenn dieser dem Licht ausgesetzt wird. Sein chemischer Aufbau wird mit der Formel γ-As4S4 angegeben, er ist als eigenständiges Mineral anerkannt. Seine Kristalle bilden eine γ-Struktur. Realgar kann sich unter bestimmten Bedingungen auch in Auripigment umwandeln.


Kristallformen und Wachstum

Der Realgar kristallisiert nach dem monoklinen System, die Kristalle werden aus Pinakoiden und Prismen gebildet. Sie erscheinen oft im kurzprismatischen Habitus und sind gerillt. Die Aggregate kommen auch körnig und derb vor, häufig auch als krustige Massen. Begleitminerale sind Antimonit, Auripigment, Calcit oder Zinnober.


Geschichte

Der rote Realgar wurde wie das gelbe Auripigment schon von den Ägyptern gemahlen und als Pigment beispielsweise für Schminkstifte eingesetzt. Realgar und Auripigment konnten in den Malereien des alten Pompeji nachgewiesen werden. Während der Römerzeit fand der Abbau in Anatolien statt. Der griechische Geschichtsschreiber Strabon berichtet, dass aufgrund der hohen Todesrate bei den Bergleuten nur Strafgefangene eingesetzt wurden.

Benannt ist das rote Mineral nach dem arabischen Begriff rahdsch al-ghar („Minenpulver“). Der Name geht wahrscheinlich auf seine Verwendung als rotes Pigment, das man in Höhlen oder Minen fand, zurück. Der schwedische Chemiker Johan Gottschalk Wallerius (1709–1785) beschrieb um 1747 als erster den Realgar als eigenständiges Mineral.


Vorkommen

Zahlreiche Hobby-Mineraliensammler suchten im 20. Jahrhundert auf der Abraumhalte der Grube Lengenbach im Schweizer Binntal nach dem roten Realgar. Diese Mine brachte eine hohe Mineralien-Vielfalt zu Tage, sie zählt zu den berühmtesten Mineralienfundstellen der Welt. Dort finden sich die knallroten Kristalle im weißen Dolomit, sie sind oft mit anderen Mineralien wie Pyrit oder Sphalerit vergesellschaftet. Die Mine ist heute weitgehend erschöpft.

In Deutschland kommt Realgar zum Beispiel am Rollenberg bei Bruchsal in Baden-Württemberg vor. Die Getchell Mine im Golconda District im US-Bundesstaat Nevada liefert Stufen mit hervorragend ausgebildeten Kristallen. Weitere bei Mineraliensammlern bekannte Stufen kommen aus Cavnic in Rumänien, aus Huanzavelica in Peru oder aus Hunan in China.


Verwendung

Realgar dient als Erz zur Herstellung von Arsen. Das Arsen-Mineral ist stark toxisch und darf nur in geschlossenen Boxen unter Lichtabschluss aufbewahrt werden. Arsenhaltige Mineralien dürfen heute nicht mehr zur Farbenherstellung verwendet werden. Auch eine Verwendung im Feuerwerk ist nicht ganz unproblematisch.
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