Kyanit, Disthen
engl. Kyanite
Nach dem griechischen Wort kyanos („stahlbau“)
Formel
Stoffgruppe
Farbe
Strich
Glanz
Transparenz
Härte (Mohs)
Dichte
Spaltbarkeit
Bruch

Kristallsystem
Kristallklasse
Al2OSiO4
Silicate
blau, weiß, grünlich, gelblich
weiß
Glasglanz, Perlmutterglanz
durchscheinend bis durchsichtig
4 – 4,5 längs / 6 – 7 quer
3,6 g/cm³
vollkommen
uneben

triklin
triklin-pinakoidal
Kyanit, DisthenLupe
Eigenschaften
Varietäten
Kristallformen
Geschichte
Vorkommen
Verwendung
Beschreibung

Eigenschaften

Das Mineral Kyanit ist auch unter der Bezeichnung Disthen bekannt. Es zählt wie die Granate oder der Staurolith zu den Inselsilicaten, die aus isolierten SiO4-Tetraedern aufgebaut sind. Der Kyanit weist das Phänomen der Anisotropie auf: Die Härte ist richtungsabhängig. Die Kristalle zeigen auf der Oberfläche Glasglanz, während die Bruchflächen perlmutterartig glänzen. Das Mineral ist gegen Hitze und gegen fast alle Säuren beständig, selbst durch Flusssäure wird es nur langsam aufgelöst.


Schwarzer Disthen
Lupe
Schwarzer Disthen, Riberao da folha, Minas Novas, Brasilien
Disthen mit Staurolith vom Pizzo Forno im Tessin
Lupe
Disthen mit Staurolith epitaktisch verwachsen, Pizzo Forno, Tessin, Schweiz
Varietäten und Modifikationen


Der Chromkyanit ist eine seltene grüne Varietät, die Chrom-Ionen enthält. Der Kyanit stellt eine der drei in der Natur vorkommenden Modifikationen dar, die aus Al2OSiO4 aufgebaut sind. Die beiden anderen, Andalusit und Sillimanit, kristallisieren im orthorhombischen Kristallsystem. Schwarzer Disthen ist eine Varietät, deren dunkle Färbung durch Einschlüsse mit Graphit entsteht.


Kristallformen und Wachstum

Der Kyanit kristallisiert nach dem triklinen System. Er bildet stahlblaue oder grünblaue, breitstängelige Kristalle, die durchscheinend sein können. Sie haben häufig Querstreifungen und Spaltrisse. Relativ selten und damit auch teuer sind klare, blaue Kristalle ohne Rissbildung. Es kommen auch Zwillinge vor, sowie faserige, nadelige, blättrige oder derbe Aggregate.

Als Begleitminerale des Kyanits treten zum Beispiel Andalusit, Biotit, Granat, Graphit, Korund, Muskovit, Quarz, Rutil oder Zoisit auf. Die häufige Vergesellschaftung mit dem Mineral Staurolith zeigt manchmal Epitaxie: Der Kyanit kann parallel mit diesem Mineral verwachsen sein. Die Stücke aus der klassischen Fundstelle am Pizzo Forno im Schweizer Kanton Tessin zeigen gelegentlich dieses typische Phänomen.


Geschichte

Der heute offiziell gültige Mineralname Kyanit wurde 1789 von dem deutschen Mineralogen Abraham Gottlieb Werner (1749–1817) vergeben. Der Name orientiert sich an dem griechischen Wort kyanos („stahlbau“). René-Just Haüy (1743–1822) verwendete 1801 in Anlehnung an die griechischen Wörter dis („zweifach“) und sthenos („Kraft“) den Begriff Disthen. Dies nimmt Bezug auf die Richtungsabhängigkeit der Härte. Bei den deutschsprachigen Sammlern ist das Mineral unter dieser Bezeichnung besser bekannt.


Vorkommen

Am Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte man das Mineral in der Leventina im Schweizer Kanton Tessin. Im Paragonitschiefer bei der Alpe Sponda und am Pizzo Forno wurden bis zu 20 Zentimeter lange Kristalle gefunden. Der Kyanit entsteht durch Metamorphose aus aluminiumhaltigen Trümmergesteinen. Das Mineral kommt auch an anderen Fundstellen in Gebirgen vor, zum Beispiel am Flatschjoch in Südtirol oder im norwegischen Kongsvold. Die Kyanithe aus São Rosé da Safira im Doce Valley im brasilianischen Minas Gerais zählen zu den schönsten der Welt. Schwarzer Disthen findet man in den Minas Novas am Fluss Jequitinhonha.


Verwendung

Farbstarke Kristalle werden zu Schmucksteinen verschliffen. Aufgrund der Hitzbeständigkeit eignet sich der Kyanit zur Herstellung von feuerfesten Auskleidungen in Schmelzöfen.
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