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4.) Auswertung der
Befragungen
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Zur Auswertung des Schulversuchs sollen
mehrere Informationsquellen hinzugezogen werden:
a) Umfragebögen
b) Abschlussberichte
der Schüler in ihren Ordnern
c) Befragung ausgewählter
Betriebe
a)
Statistische Auswertung der Fragebögen
Es ist darauf hinzuweisen, dass diese
Befragung keine Allgemeingültigkeit besitzt, sondern nur im Rahmen
des durchgeführten Schulversuchs Aussagekraft besitzt. Trotzdem lässt
sich ein Trend erkennen.
Befragt wurden 68 Schüler und Schülerinnen
aus den drei am Schulversuch teilgenommenen Klassen. 59 davon gaben an,
dass die freiarbeits- und projektorientierten Unterrichtseinheiten für
sie mehr Arbeit darstellte. Etwa 40% aller Schüler waren der Meinung,
dass soziale Fähigkeiten, wie man miteinander umgeht, geschult wurden.
Genau die Hälfte aller Schüler glaubten, dass die freien Unterrichtsmethoden
in Verbindung mit einem ausgestellten Testat zu einem höheren Lernerfolg
führten. Der verbesserte Lernerfolg fand offenbar nach der Selbsteinschätzung
durch die Schüler nur bei der Hälfte aller Befragten statt.
Um diese Aussage genauer zu untersuchen,
soll das Ergebnis folgender Frage herangezogen werden:
18 von 68 Schülern (26%) würden
die herkömmliche Form "Klassenarbeiten mit Noten" lieber beibehalten.
Vorteile sahen sie vor allem darin, dass Noten einen höheren Zwang
ausüben (50% aller Befragten). Das "Abfragen mit Noten" wurde vollständig
abgelehnt (0%). Die andere Hälfte der Befragten sahen in den Noten
eher ein Hindernis ("Noten verhindern, dass ich frei und ungezwungen lerne").
Daraus lässt sich schließen,
dass es bei den Schülern unterschiedliche "Lerntypen" gibt. Die einen
lernen wegen des Zwangs, die anderen werden dadurch behindert.
Der größte Anteil (35%) bevorzugte
das Arbeitsheft mit Testat. Immerhin noch 38 von 68 Schülern (Klassenarbeiten
mit Noten und Heft abgeben mit Noten) hätten lieber Noten. Offenbar
wird das Testat bei einigen nur als eine weitere Möglichkeit gesehen,
den Lernerfolg zu erhöhen, bzw. die Leistungsnachweismöglichkeiten
noch weiter zu differenzieren. Die Klassenarbeit fand insgesamt nur noch
bei 36% aller Befragten den Vorzug, der Trend ging eindeutig in Richtung
Heft oder Arbeitsheft abgeben (Jahresarbeit, Referat, etc.).
Zwei Fragen sollten die Effektivität
der bisherigen Klassenarbeiten untersuchen:
Wieviele Tage vor einer Klassenarbeit
beginnst du in der Regel zu lernen (68 Schüler)?
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1 Tag
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14 Antworten
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2-3 Tage
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37 Antworten
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4-7 Tage
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13 Antworten
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Ich lerne kontinuierlich
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3 Antworten
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Ich lerne gar nicht
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1 Antwort
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Wie hoch schätzt du die Prozentzahl
ein, wieviel deines Wissens nach einer Klassenarbeit nach einer Woche verloren
ist?
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bis 20% verloren
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4 Antworten
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20-40% verloren
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41 Antworten
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40-60% verloren
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17 Antworten
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mehr als 60%
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6 Antworten
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Damit ergibt sich aufgrund der Selbsteinschätzung
der Schüler ein statistischer Mittelwert von etwa 39% an verlorenem
Wissen nach einer Woche nach der Klassenarbeit. Die Tatsache, dass nur
3 von 68 Schülern kontinuierlich lernen, zeigt, dass das Wissen für
die Klassenarbeit zu einem großen Anteil nur in das Kurzzeitgedächtnis
aufgenommen wird.
Trotzdem scheint noch etwas hängenzubleiben,
nur in einem Fall gab ein Schüler an: "davor 0% Wissen, danach ein
Teil vom Nachbarn". Die Hälfte aller Befragten glaubte, dass das Anfertigen
einer Hausarbeit oder einer Jahresarbeit in Verbindung mit einer Testatausgabe
zu einem höheren Lerneffekt führte, da "man sich intensiver mit
dem Stoff befasst".
Insofern ist der Schulversuch als Erfolg
zu werten, da die getestete, neue Wissensabfrage, die Jahresarbeit, bzw.
das Arbeitsheft mit Testat Akzeptanz gefunden und zu erhöhtem Lernen
beigetragen hat. Anzustreben ist für die Schule der Zukunft in jedem
Fall eine Steigerung des kontinuierlichen Lernens.
b)
Abschlussbericht der Schüler in ihren Ordnern
Am Ende jeder Unterrichtseinheit sollten
die Schüler und Schülerinnen über den Unterricht reflektieren
und hatten auch die Möglichkeit Kritik zu äußern. Insgesamt
wurden die durchgeführten Unterrichtsmethoden (Freiarbeit, Praktikum,
Projekt) und die Ausstellung eines Testatheftes in den meisten Fällen
positiv aufgenommen. Viele der Schüler würden sie weiter empfehlen
und jederzeit wieder durchführen. Vereinzelt gab es jedoch auch sehr
kritische Stellungsnahmen.
Positive Einschätzungen der Schüler
Viele gaben an, dass die intensive Befassung
mit einem Thema und die selbständige Erarbeitung zu intensiverem Lernen
führte. Verstärkt wird dieser Effekt vor allem auch durch eine
erhöhte Lernmotivation, die auf verschiedenen Faktoren zurückzuführen
ist, z. B.:
-
Die Unterrichtsformen führen zu einer
höheren Identifikation der Schüler mit der Lernumgebung
-
Das Anlegen eines Ordners (bzw. der Jahresarbeit)
weckt den Ehrgeiz, es möglichst gut zu machen
-
Das Zusammenarbeiten mit Gruppenpartnern führt
zu einem höheren Austausch an Informationen
-
Der Unterricht ist viel "lockerer" als der
herkömmliche Unterricht
-
Das Erhalten eines Testats in Verbindung mit
einer evt. Vorlage eines Arbeitsheftes bei einer Bewerbung erhöht
ebenfalls die Motivation
-
Das selbständige Erarbeiten von Stoffinhalten
verbessert den Lernerfolg
Einige glaubten auch, dass in derartigen Unterrichtsformen
der Lehrer mehr mit jedem einzelnen spricht. Folgendes Beispiel verdeutlicht
im wesentlichen die positiven Effekte der neuen Unterrichtsmethoden.
Ausschnitt
aus einem Abschlussbericht einer Schülerin
Negative Einschätzungen der Schüler
Einige Schüler hatten mit unterschiedlichen
Auslegungen von zwei an einem Projekt beteiligten Lehrern zum Fach Kunst
Schwierigkeiten (bezüglich der kreativen Bildgestaltung). Auch unterschiedliche
Erziehungsstile von verschiedenen Lehrpersonen innerhalb einer Unterrichtseinheit
schätzten die Schüler überhaupt nicht. Ein paar wenige sahen
jedoch gerade darin eine Möglichkeit, mehrere Sichtweisen dargestellt
zu bekommen.
Ein nicht unerheblicher Anteil beklagte
sich über Gruppenpartner, "die weniger als andere machen" und sich
unsozial verhalten. Diese ließen entweder für sich arbeiten
oder sie räumten am Ende der Stunde nicht auf und überließen
dies den anderen. Als sehr negativ wurde es empfunden, wenn sich Schüler
bei eventuellen Fragen und Problemen von der Lehrperson im Stich gelassen
fühlten.
Schüler, die nicht bereit waren,
sich selbständig Informationen zu beschaffen, lehnten die neuen Unterrichtsformen
ebenfalls ab. Diese wünschten sich lieber wieder die Form des Frontalunterrichts
mit Klassenarbeiten.
Auf Kritik bezüglich der Unterrichtsorganisation
möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da dieser Punkt nur für
die Durchführung weiterer Projekte an unserer Schule relevant ist.
Drei Trends bei den Abschlussberichten
Bei den Abschlussberichten waren drei
"Trends" zu erkennen:
a) Viele waren mit dem Unterricht vollständig
zufrieden (ca. 50%), sie reflektierten sehr ausführlich über
ihren Lernerfolg und begründeten Vor- und Nachteile. Ihre Ordner belegten
kontinuierliches Arbeiten und enthielten einen großen Anteil eigener
Einschätzungen und Formulierungen.
b) Ein etwas kleinerer Anteil beklagte
sich über die viele Arbeit (ca. 40%), legte jedoch ebenfalls sehr
umfangreiche Ordner vor. Diese Ordner orientierten sich mehr an fachlichen
Darstellungen und enthielten eher weniger eigene Einschätzungen über
einzelne Unterrichtsstunden. Die Arbeiten wurden meist in den letzten beiden
Wochen vor dem Abgabetermin - oft noch in Nachtarbeit - angefertigt.
c) Ein paar wenige Schüler
(ca. 10%) lehnten den Unterricht völlig ab und wollten lieber wieder
Frontalunterricht mit Klassenarbeiten. Sie waren in der Regel nicht bereit,
einen erhöhten Arbeitsaufwand einzubringen. Diese Schüler erhielten
die Testate in der Regel nicht, da ihre Ordner nicht den Anforderungen
entsprachen.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Die dargebotenen Unterrichtsformen forderten einen wesentlich erhöhten
Arbeitsaufwand von Lehrer und Schüler. Die Schüler waren aber
bereit, sich darauf einzulassen, wenn sie sich mit ihrer Lernumgebung identifizieren
konnten und wenn sie für sich einen höheren Lerneffekt feststellten.
c)
Befragung ausgewählter Betriebe
An der Befragung beteiligten sich neun
Betriebe, die derzeit den Hauptanteil an Ausbildungsplätzen für
die Schüler und Schülerinnen der Realschule Mühlheim zur
Verfügung stellen.
Nur drei der neun Firmen schätzten
die Kompetenzen der bisherigen Realschulabgänger (vor dem Schulversuch)
ausreichend ein. Schwächen wurden vor allem beim "Selbständigen
Erledigen von Arbeitsaufträgen", aber auch bei der Fach- und Sozialkompetenz
gesehen. Bei den "praktischen Fertigkeiten" schnitten die Realschüler
eher gut ab.
Bei der Frage, welche Bereiche in der
Realschulausbildung besonders hervorgehoben werden sollten, wurden folgende
Schwerpunkte genannt:
-
Praktisches, experimentelles Arbeiten
-
Mathematik- und Deutschkenntnisse (vor allem
Rechtschreibung)
-
EDV-Kenntnisse
-
Erziehung zur Selbständigkeit
Acht Betriebe meinten, dass die bei Bewerbungen
vorgelegten Zeugnisse keine ausreichende Auskunft geben, um sich von der
bewerbenden Person ein ausreichendes Profil zu machen. Sieben Betriebe
wünschten sich zusätzliche Bemerkungen im Zeugnisheft. Als Möglichkeiten
wurden folgende Alternativen angesprochen:
-
Gespräche und zusätzliche Tests
innerhalb des Betriebs
-
zusätzliche Testate im Zeugnis über
verschiedene Kompetenzen (z.B. über das Sozialverhalten)
Fast einstimmig herrschte die Meinung vor,
dass das Vorlegen von Testaten, wie es im Rahmen des Schulversuchs erprobt
wurde, positiv zu bewerten sei. Nur ein Betrieb empfand es als Nachteil,
wenn in den Testaten zusätzliche Informationen über die Inhalte
und die Ausgestaltung der Hefte enthalten waren.