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Larven und Masken
 
Wenn Schülerinnen und Schüler eine eigene Larve (oder Gesichtsmaske) herstellen, ist das eigentlich eine sehr persönliche Sache, da Maskierungen im Unterbewusstsein des Menschen tief verwurzelt sind. Bei dem indianischen Volksstamm der Irokesen trug jedes Mitglied eine Maske als Abbild seiner Persönlichkeit lebenslang mit sich. Die Herstellung eines Gesichtsabdrucks kann noch heute als Ritual verstanden werden, seine Persönlichkeit in einem Spiegel gegenüber als reflektiertes Abbild zu sehen. Dann kommt noch hinzu, dass bei der Anfertigung in Partnerarbeit eine andere Person beteiligt ist, der man sein Vertrauen schenkt.
  
   
Historische Aspekte
Der Ursprung und die Funktion von Larven und Masken lassen sich wie die Körperbemalung bis in die Jägerkulturen der Steinzeit zurückverfolgen. Die Höhlenmalereien geben Einblick in eine Kultur, in der Totemismus und Schamanismus lebendig waren. Diese Kulte waren auch bei den Indianern zu beobachten. Mit dem Anlegen von Tiermasken und Tierhäuten verlässt der Schamane seinen eigenen Körper und nimmt die Identität von Tieren an. Die Maske ist dem Schamanen ein Instrument zur magischen Einflussnahme, so beschwört er, dass die Tiere immer fruchtbar bleiben.Beim Totemismus wird ein Totemtier als Stammvater einer Stammessippe angesehen, es darf nicht gejagt und nicht geopfert werden. Nur einmal im Jahr findet ein Fest statt, an dem das Tier geschlachtet werden darf. Die Jäger müssen dann aber bei dem rituellen Festmahl eine Maskierung tragen.  
   
Die Stämme Afrikas waren im Gegensatz zu den Nomaden und Jagdvölkern eher sesshaft und lebten vor allem vom Ackerbau. Für sie war es wichtig, dass das Wissen der Vorfahren um die Landbebauung und die Verarbeitung von Nahrungsmitteln erhalten blieb. Daher ist auch der Ahnenkult dieser Volksstämme verständlich. Zur Herstellung von Ahnenmasken wurde der Gesichtsschädel eines toten Stammesmmitgliedes mit Ton oder Wachs überzogen. Während der Initiationsriten, bei denen die jungen Männer zu vollwertigen, erwachsenen Gesellschaftsmitgliedern ausgebildet wurden, mussten sie Ahnenmasken tragen, die darüber wachten, dass die Traditionen des Stammes weitergegeben wurden. Eine andere Funktion der Masken Afrikas war der Schutz vor bösen Geistern.  
   
Auch in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht lassen sich manchmal noch Ursprünge von Fruchtbarkeitsriten oder eines Ahnenkults erkennen. Heute ermöglicht die Fastnacht mit ihren zahlreichen Zünften aber wohl eher das Ausleben von Identitätsbereichen, die im normalen gesellschaftlichen Leben verdrängt werden müssen. Die Fastnacht in der Schweiz und in Österreich geht ebenfalls auf alte, volkstümliche Brauchtümer und das Zunftwesen des Mittelalters zurück. Die Basler Fasnacht hat ihren Ursprung in Waffenmusterungen, die jährlich stattfanden. Jeder Bürger musste in seiner Zunft zu einer Inspektion seiner Waffen auf dem Richtplatz antreten.  
   
Im Venedig des 18. Jahrhunderts bot das Tragen einer Verkleidung mit einer weißen Halbmaske (Bauta) Schutz vor der Preisgabe der eigenen Identität. Die Verkleidung wurde zu allen öffentlichen Anlässen getragen. Hinter der Maske konnte aber auch ein sonst gesellschaftlich nicht legitimiertes Rendezvous abgehalten werden, ohne dass ein Racheakt des Ehemanns zu befürchten war. Bei dem seit 1978 wieder erlaubten Karneval von Venedig kann eine Vielzahl venezianischer Masken beobachtet werden.  
   
Der Karneval in Köln und Mainz mit seinen typischen Figuren orientiert sich noch heute am römischen Karneval und ermöglicht durch die Maskerade den Ausstieg aus festgelegten Rollenerwartungen in der Gesellschaft. Das traditionelle Besetzen des Rathauses durch die Narren ist einer ihrer Höhepunkte. Der Karneval von Rio erfüllt eine ähnliche Funktion. Für das traditionelle Treiben in Rio investieren viele Leute der Mittel- und Unterschicht einen großen Teil ihres Geldes, um sich innerhalb einer Sambagruppe in glitzernden Gewändern zur Schau zu stellen.  
   
Maskierungen treten aber nicht nur an traditionellen Festen auf, sondern sind Bestandteil im Alltag. Das Verbergen der eigenen Persönlichkeit im Berufsleben kann eine Schutzfunktion besitzen. Der Wahl der Kleidung kommt der Stellung einer Maske zu. Sie repräsentiert den Rang einer Persönlichkeit. Dies ist bei der Berufskleidung eines Richters, eines Pfarrers oder eines Polizisten der Fall. Insofern ist die Maske im Alltag zugleich Selbstverleugnung und Selbstdarstellung. Diese Bedeutung greift auch das Maskentheater von Java auf. Dort werden maskenbildnerisch dargestellte Charaktere, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, satirisch dem Spott preisgegeben.  
   
In der Punkbewegung wird die Maske bewusst eingesetzt, um die eigene Persönlichkeit zu unterstreichen. Der Punk entstand aus der Angst, die persönliche Integrität zugunsten einer erwarteten, gesellschaftlichen Rolle aufgeben zu müssen und ist gleichzeitig Ausdruck eines Protests oder einer Flucht vor der tristen Gesellschaft. 
   
Anregungen
Das Material, die Gipsbinden, sind in jedem Krankenhaus erhältlich. Die befeuchteten Binden werden in mehreren Lagen auf das mit Niveacreme befeuchtete Gesicht gelegt. Nasenlöcher sollten freibleiben. Nach dem Trocknen und Abbinden des Gipses wird die Larve abgezogen und eventuell mit einem scharfen Messer an den Rändern nachbearbeitet. Die Larven können mit Caseinfarben bemalt werden. Höhepunkt ist ein gemeinsames Maskenfest oder eine Fotosession. Es können aber auch Fantasiemasken nach der beschriebenen Technik hergestellt werden. Als Vorbild dienen dann vielleicht die Exponate berühmter Maskenschnitzer wie Willi Bucher aus Fridingen.  
   
  
Bemalte Gipslarve einer Schülerin
 
 

Diese Larve wurde mit selbst hergestellten Caseinfarben bemalt.
  

Arbeitsaufgaben
  • Welche Funktionen und Aufgaben besaß ein Schamane bei den Indianern? 
  • Schildere verschiedene Anlässe, bei denen die Völker Masken trugen oder heute noch tragen.
  • Informiere dich über die verschiedenen Formen der Fastnacht, des Karnevals, des Faschings und berichte in deinem Ordner.
    
Weitere Infos
Historische Aspekte der Körperbemalung
Projektbaustein Schminken und Haare färben
 
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