
Die mit 32000 Jahren ältesten bekannten
Malereien mit Pigmenten und Bindemitteln
regen viele Jugendliche zur Nachahmung dieser Höhlenbilder an (vgl.
auch Greber in UB 211). In der Realschule Mühlheim an der Donau stellten
die SchülerInnen aus Gips, Kreidepulver und Farbpigmenten selbst Kreide
her und zeichneten eigene Höhlenbilder.

Damit ein Pigment dauerhaft haftet, ist
die Beimengung eines Bindemittels notwendig.
Die Höhlenmaler verwendeten als Bindemittel Wasser und pflanzliche
Öle oder Fette. Durch einen Mineralisationsprozess wurden die Höhlenbilder
im Laufe der Jahrtausende konserviert. Wie bereits die Römer nutzten
die SchülerInnen Casein als Bindemittel zur Casein-Maltechnik.
Casein, ein Bindemittel des Altertums
Das Casein kann aus Milch oder Quark mit einfachen Mitteln gewonnen werden. Milch enthält etwa 3% Casein, Magerquark besteht sogar hauptsächlich aus Casein. Mit Casein angerührte Farben zeichnen sich durch eine sonst nicht erreichbare Brillanz und Farbstärke aus: Das Casein bildet bei seiner Aushärtung Kristalle, die durch Lichtbrechung die Farbwirkung des Pigments betonen. Wegen der fantastischen Leuchtkraft der Farben greifen viele Maler heute wieder auf die Caseintechnik zurück. Das Einsatzgebiet der Caseinfarben ist vielfältig: Sie haften sehr gut auf Holz, Papier, Beton, ja sogar auf Glas und Stoff.
Zur Herstellung größerer Mengen an Caseinfarbe, z.B. zum Bemalen von Betonwänden oder Stoffen, kann folgendes Rezept verwenden werden:
100ml Wasser intensiv verrühren und schütteln mit:
3g Calciumhydroxid (Casein
ist nur in Laugen löslich!)
8g Milchcasein (bei Kremer
erhältlich)
2g Borax (Natriumtetraborat,
macht die Farbe haltbarer)
50g Pigment
Die Caseinfarbe ist nur einige Wochen haltbar und muss unter Luftabschluss aufbewahrt werden. Das Aufbewahrungsgefäß sollte immer wieder mal geschüttelt werden, damit das Casein nicht so schnell aushärtet.
Neben dem Casein eignen sich noch weitere
Bindemittel pflanzlicher Herkunft:
| Bindemittel | Gewinnung |
| Kleister | wird aus Stärke gewonnen (z.B. Roggenmehl); zum Anrühren einer einfachen Leimfarbe |
| Leinöl | wird aus Flachssamen gewonnen und ergibt beim Verrühren mit einem Pigment eine hochwertige Ölfarbe, die auch zum Marmorieren verwendet werden kann |
| Gummi arabicum | wird im Sudan aus der Rinde des Akazienbaumes gewonnen; wichtigstes Bindemittel für Aquarellfarben |
| Dextrin | wird aus Kartoffelstärke gewonnen; für Aquarellfarben |
Für die Höhlenmalereien wurden Pigmente notwendig, die eine starke Farbwirkung besitzen und sich nicht unter Umwelteinflüssen zersetzen. Die Höhlenmaler der Steinzeit verwendeten unter anderem folgende Pigmente:
schwarz: Manganerze (Manganoxid, bzw. Braunstein),
Holz- und Knochenkohle
gelb: gelbe
Erden, z.B. Ocker
rot: rote Erden, gebrannter Ocker, rotes
Eisenerz (Eisenoxid)
Auch im Altertum und vor allem für die Kirchenmalerei gewann man die meisten Pigmente aus farbigen Erden, Erzen oder Mineralien. Die Erden wurden gemahlen, gereinigt und mit Bindemitteln vermischt. Die Herstellung mancher Pigmente und die dabei notwendigen Reinigungsverfahren war früher außerordentlich aufwendig und teuer: So wurde beispielsweise das sogenannte „Fra-Angelico-Blau“, aus echtem Lapislazuli hergestellt. Heute ist die Firma Kremer in Aichstetten/Allgäu die einzige Farbmühle in Europa, die dieses Pigment für Renovierungsarbeiten noch nach dem Originalrezept herstellt. Das genaue Rezept wird geheimgehalten. Die Rohsteine werden zunächst zerstoßen, gemahlen und gesiebt. Zur Reinigung des Lapispulvers wird dieses mit Terpentinöl, Bienenwachs und Harzen verknetet, welche die Verunreinigungen an sich binden. Die geknetete Masse füllt man in ein Leinen- oder Baumwollsäckchen, aus dem durch mehrmaliges Auswaschen und Durchkneten nur die feinsten Pigmentteilchen herausgefiltert werden. Sie finden sich dann als Bodensatz im Wasser. Entsprechend des Herstellungsaufwandes kostet ein Kilogramm des feinsten Lapislazuli-Blaus über 15000 Euro! Das heute im Handel erhältliche Ultramarinblau ist ein künstlich hergestelltes Lapispigment und daher wesentlich billiger. In der Schulfernsehserie „Farben“ wird die Herstellung von echtem Lapispigment bei Kremer in der Folge 2 „Pigmente und Farbstoffe“ gezeigt.
Die Firma Kremer stellte für unser Farbenprojekt die wichtigste Lieferquelle für Farb-Rohstoffe dar. Alternativ können diese auch bei der Firma DraGoCo in 37603 Holzminden bestellt werden. Wir beschränkten uns auf die Verwendung von nur wenigen Pigmenten:
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Jedes bisher durchgeführte Farben-Projekt stand unter einem besonderen Thema. Die „Farben Afrikas“ gab das Motto für ein Projekt vor, das die künstlerische Gestaltung steriler Betonsäulen in der Schule und der Wände eines Bus-Wartehäuschens zum Ziel hatte. Bevor Säulen und Wände bemalt wurden, fertigten die SchülerInnen mit der Caseintechnik Entwürfe auf schwarzem Karton und dann auf Holz. Die Ergebnisse wurden auf einer Vernissage und einer Ausstellung im Mühlheimer Schloss einem größeren Publikum vorgeführt.
Einen weiteren Themenschwerpunkt bildete „Die Farbe Blau“. Die Farbe Blau spielt nicht nur in der Malerei (z.B. „Der Blaue Reiter“), sondern auch in der Literatur und neuerdings in der Werbung eine große Rolle. Viele Assoziationen und Informationen liefert der empfehlenswerte Bildband „Blau - Farbe der Ferne“ von Hans Gercke, nach der berühmten Ausstellung in Heidelberg über die Farbe Blau im Jahre 1990 mit Bildern, Texten und Gedichten zur Farbe Blau (darunter auch der Verweis auf den Seidenlaubenvogel, der dem Weibchen jede Menge blaue und gestohlene Gegenstände schenkt). Die Schüler erhielten die Aufgabe, ein Bild, ein Objekt, eine Skulptur oder eine Maske zum Thema Blau zu entwerfen. Dabei war es ihnen freigestellt, welche Maltechnik sie anwandten (Caseintechnik, Aquarelltechnik, Kreidetechnik). Bedingung war jedoch die ausschließliche Verwendung der selbst hergestellten Farben nach den bereits bekannten Rezepten. Die folgende Aufzählung nennt nur eine Auswahl der Schüler-Ideen:
| Copyright: T. Seilnacht |