Chemische Eigenschaften und Nachweis

Die halluzinogen wirkende Substanz Psilocybin ist ein indolisches Tryptamin-Derivat, sie besitzt die Summenformel C12H17N2O4P, der exakte Name lautet 4-Phosphoryloxy-N,N-dimethyltryptamin. Der Molekülbau lässt sich in drei charakteristische Bereiche gliedern: Das Grundgerüst bildet ein Indolkörper-System aus einem Benzolring mit einem Pyrrolring. Am Pyrrolring sitzt – über eine kurze Kohlenstoffkette verbunden – eine tertiäre Aminogruppe, am Benzolring sitzt eine Phosphatgruppe. Dadurch trägt Psilocybin eine negative und eine positive Ladung im Molekül und ist aufgrund seiner Polarität wasserlöslich. In reiner Form bildet Psilocybin farblose oder weiße Kristalle. Bei längerer Lagerung an der Luft und am Licht kann es zu einem Abbau zu Psilocin und weiteren Zersetzungsprodukten kommen. Psilocybin selbst ist pharmakologisch betrachtet ein Prodrug: Im menschlichen Organismus wird es durch Dephosphorylierung rasch zu Psilocin umgewandelt, das als eigentliche psychoaktive Verbindung an den Serotonin-Rezeptoren bindet.
Zum Nachweis von Psilocybin und Psilocin in Pilzmaterial, Blut oder Urin werden die Flüssigkeitschromatographie (LC) in Kombination mit der Tandem-Massenspektrometrie (MS/MS) eingesetzt. Die Nachweiszeiten hängen von der Dosis und dem individuellen Stoffwechsel ab und liegen im Bereich von bis zu 24 Stunden (Blut), bis zu drei Tagen (Urin) oder bis zu mehreren Monaten (Haare).
Geschichte
Psilocybin ist kein rein synthetisches Produkt, sondern kommt natürlich in verschiedenen Pilzarten vor, unter anderem in Vertretern der Gattung Psilocybe, aber auch in Panaeolus, Gymnopilus und weiteren Gattungen. Archäologische und ethnologische Funde weisen darauf hin, dass psilocybinhaltige Pilze in Mittel- und Südamerika seit Jahrhunderten in religiösen und heilkundlichen Ritualen verwendet werden. In Berichten früher spanischer Chronisten werden rituell verwendete „heilige Pilze“ erwähnt, deren Beschreibung gut zu psilocybinhaltigen Arten passt.
In der modernen Wissenschaft wurde Psilocybin in den 1950er-Jahren durch den Schweizer Chemiker Albert Hofmann bei der Firma Sandoz isoliert und synthetisiert. Sandoz vertrieb die Substanz zeitweise unter dem Namen „Indocybin“ für psychotherapeutische Zwecke. Mit der zunehmenden Verbreitung psychedelischer Substanzen in der Hippiekultur der späten 1960er-Jahre geriet Psilocybin zunehmend in die Kritik und wurde in vielen Staaten als Betäubungsmittel eingestuft. Forschungsvorhaben wurden stark eingeschränkt oder ganz eingestellt.
Erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts erlebt Psilocybin in der klinischen Forschung eine Renaissance. In streng kontrollierten Studien werden psilocybinhaltige Arzneiformen bei therapieresistenten Depressionen, Angststörungen, Zwangserkrankungen und bei existenziellen Krisen schwer kranker Patienten untersucht. Trotz vielversprechender Ergebnisse bleibt Psilocybin in den meisten Ländern weiterhin ein streng regulierter Wirkstoff; außerhalb klinischer Studien ist die Verwendung in der Regel verboten.
Wirkung auf den menschlichen Körper
Pharmakologisch wird Psilocybin nach seiner Umwandlung zu Psilocin den klassischen Serotonin-Halluzinogenen zugeordnet. Psilocin wirkt hauptsächlich als partieller Agonist an 5-HT2A-Rezeptoren im Zentralnervensystem und beeinflusst darüber die Informationsverarbeitung in den Netzwerken der Großhirnrinde. Charakteristisch sind Veränderungen der Wahrnehmung, der Stimmung und des Denkens. Farben und Formen werden oft intensiver erlebt, es können Muster, Nachbilder und komplexe innere Szenen auftreten. Viele Konsumenten berichten von Gefühlen der Freude, Euphorie, Verbundenheit, von einem veränderten Erleben von Zeit und Raum und von tiefgreifenden, zum Teil als „spirituell“ beschriebenen Erfahrungen.
In der Szene sind die Pilze auch als „Magic Mushrooms" oder als „Zauberpilze“ bekannt Die Wirkung setzt nach oraler Einnahme getrockneter Pilze oder synthetischer Zubereitungen in der Regel nach 20 bis 60 Minuten ein und hält mehrere Stunden an. Zu den körperlichen Begleiterscheinungen zählen Pupillenerweiterung, leichter Blutdruck- und Pulsanstieg, veränderte Körpertemperatur, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit. Die Intensität der psychischen Wirkungen hängt stark von der Dosis, der individuellen Empfindlichkeit sowie von „Set und Setting“ ab, also von der inneren Erwartungshaltung und der Umgebung, in der die Droge eingenommen wird.
Unangenehme oder ängstigende Rauscherlebnisse („Bad Trips“) können mit starker Angst, Verwirrtheit, bedrückenden Bildern und dem Gefühl des Kontrollverlustes einhergehen. Bei psychisch vorbelasteten Personen besteht das Risiko, latente Psychosen oder schwere depressive Episoden auszulösen. Ein ausgeprägtes körperliches Abhängigkeitspotenzial wird Psilocybin nicht zugeschrieben, dennoch kann ein problematischer, psychisch fixierter Konsum entstehen. In der klinischen Forschung wird versucht, durch sorgfältige Vorbereitung, Betreuung und Nachbesprechung das Risiko unerwünschter Effekte zu minimieren und die positiven Potenziale gezielt therapeutisch zu nutzen.
Eine große Gefahr besteht auch darin, dass die Pilze immer wieder mit anderen Giftpilzen verwechselt werden, zum Beispiel mit dem Gift-Häubling Galerina marginata, der oft in der Nähe der Kahlköpfe auf totem Holz wächst und wie die Knollenblätterpilze Amatoxine enthält. Eine Verwechslung kann zum Tod führen oder schwere Leber- und Nierenschäden verursachen. Der Spitzkegelige Kahlkopf Psilocybe semilanceata wächst im Herbst auf feuchten Weiden mit starkem Dung, jedoch nie auf den Kuhfladen oder dem Holz. Der Blauende Kahlkopf Psilocybe cyanescens mag verrottendes Holz und alte Pflanzenreste, er kommt auf Ruderalflächen, an Waldrändern oder in Parkanlagen sporadisch vor. Beim alternden Pilz kann sich der Stiel vom Grund her blau verfärben, daher der Name. Die Kahlkopfarten können auch das Halluzinogen Baeocystin enthalten.
Bilder
Literaturquellen
Berger, Markus: Psychoaktive Drogen, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2017
Falbe/Regitz (Hg.): Römpp Chemielexikon, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York 1992
Hofmann, Albert: LSD, mein Sorgenkind, Klett-Cotta, Stuttgart 1980
Köhler, Thomas: Rauschdrogen und andere psychotrope Substanzen, dgvt-Verlag, Tübingen 2014
Majiä de la Garza, J.; Straus, E.: Psilocybin and psilocin: New perspectives on an old hallucinogen, Current Topics in Behavioral Neurosciences (aktuelle Ausgaben)
Parnefjord, Ralph: Das Drogentaschenbuch, Thieme, Stuttgart 2005
Schmidbauer, Wolfgang und vom Scheidt, Jürgen: Handbuch der Rauschdrogen, Fischer, München 2003
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