Toxische
Stoffe für Mensch und Umwelt
Unterrichtsablauf
Grundlage der Unterrichtseinheit
ist ein Arbeitsblatt mit den GHS-Piktogrammen. Bei der vorliegenden Wordversion
kann man bei einer computerunterstützten Präsentation die über
den Lösungen platzierten, weißen Textfelder anklicken und löschen.
Im Unterricht wird zunächst Teil 2 besprochen.
Arbeitsblatt
pdf Lösungen
nur auf CD-ROM
Zum Einstieg sehen die
Schülerinnen und Schülern das Totenkopf-Piktogramm. Gleichzeitig
kann man drei Chemikalienflaschen mit den drei oben abgebildeten Stoffen
auf den Tisch stellen. Die Schüler werden befragt:
-
Wo hast du eine solche Flasche
gesehen? Wie wird sie aufbewahrt?
-
Was ist in der Flasche drin?
-
Hättest du Zugang zu
der Flasche?
-
Stell dir vor, dein kleiner
Bruder hätte aus der Flasche getrunken. Was wäre zu tun?
-
Wie würdest du die Flasche
entsorgen?
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Aus den Fragen ergibt
sich eine Diskussion, wobei die Probleme beim Umgang mit Gefahrstoffen
verdeutlicht werden. Ein Gift, dass unmittelbar tödlich wirken kann,
wirkt "akut toxisch". Dass sich Gifte in Bezug auf Ihre tödliche Dosis
aber auch stark unterscheiden können, verdeutlicht die Tabelle "Minimale
tödliche Dosis durch Verschlucken" (Berechnung der aktuellen Werte
und Quellenangaben siehe Letale Dosis).
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Natriumchlorid
ist Ausgangspunkt in der Tabelle. Das gewöhnliche Kochsalz kann in
zu hoher Dosis tödlich wirken. Allerdings erzeugt es beim Essen einen
starken Brechreiz.
Kaliumcyanid
ist auch unter dem Namen "Cyankali" bekannt. Es wirkt akut toxisch. Die
Aufnahme in den Körper erfolgt vor allem über Schleimhäute
und Wunden, aber auch die Berührung mit der Haut ist sehr gefährlich,
da die Säure auf der Haut sofort Blausäure
bildet. Die Schüler kennen den Stoff vielleicht aus Agentenfilmen.
Der Agent wird enttarnt und zerbeißt eine Kapsel mit Cyankali.
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140 mg werden als niedrigste
tödliche Dosis angegeben.
Arsen(III)-oxid
(Arsenik) wurde in der Vergangenheit als Mäusegift und als Mordgift
verwendet. Erst nachdem James Marsh die Marsh-Probe zum Nachweis von Arsenverbindungen
im Blut entwickelt hatte (siehe unter Arsen),
ging der Einsatz für Giftmorde zurück. Bekannt ist das Gift aus
dem Film "Arsen und Spitzenhäubchen". Dort bringen zwei angeblich
liebenswerte, alte Damen ältere Männer mit einem Arsenikcocktail
um.
Nicotin
wirkt in kleineren Dosen anregend, und es unterdrückt den Hunger.
In höheren Dosen kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen,
Schwindel, Durchfall und Atemnot. Es treten Sehstörungen und Halluzinationen
auf, Atemlähmungen können zum Tod führen. Die minimale tödliche
Dosis von 40mg ist bereits in 5 Zigaretten enthalten. Bei langfristigem
Gebrauch können schwere Gesundheitsschäden auftreten, beispielsweise
Lungenkrebs, Kehlkopfprobleme oder Raucherbeine.
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Nicotin ist in der ganzen
Tabakpflanze enthalten.
Ricin
ist ein extrem toxisches Eiweiß, das im menschlichen Körper
die Eiweiß-Synthese blockiert. Die Rizinusstaude (Ricinus communis)
ist eine wertvolle Ölpflanze. Das aus den Samen durch Kaltpressen
gewonnene Rizinusöl ist ein wichtiger Rohstoff für die Kosmetik-
und Farbenindustrie. In der Medizin dient es als Abführmittel. Die
Rückstände vom Pressen sind sehr toxisch, da sie das Ricin enthalten.
Das Essen von 6 Samen der Rizinuspflanze kann tödlich wirken. Eine
Vergiftung beginnt mit Brennen im Mund, Übelkeit, Durchfällen
und Schwindel. Es folgen Darmkrämpfe, Nieren- und Leberentzündung.
Der Tod tritt erst nach einigen Tagen durch Kreislaufkollaps und eine Harnvergiftung
ein. Mit Ricin wurden schon Mordanschläge verübt. Beim sogenannten
Regenschirmattentat auf den bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten
Georgi Markow wurde ein kleines 1mm großes Platinkügelchen,
das mit einer winzigen Menge Ricin präpariert war, mit Hilfe eines
Regenschirmes in den Unterschenkel injiziert. Markow starb drei Tage danach.
Ricin fällt unter die internationale Chemie-
und Biowaffenkonvention.
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Nach der Blüte
bilden sich bei der Rizinuspflanze Kapseln mit den giftigen Samen.
Aconitin
findet sich als Wirkstoff in einer der giftigsten Pflanzen Europas. Der
Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) diente zwar lange Zeit auch als Heilpflanze,
aber das giftige Alkaloid ist in der ganzen Pflanze und besonders konzentriert
in der Wurzel enthalten. Die Vergiftungssymptome beginnen bereits bei der
Aufnahme der Pflanze oder des Wirkstoffes im Rachen. Nach einem anfänglichen
Brennen und Prickeln wird der ganze Mund taub, und es tritt eine Lähmung
der Zunge auf. Das Sprechen fällt schwer und das Kribbeln tritt dann
an den Händen und an den Füßen auf. Der Vergiftete verspürt
ein unerträgliches Kältegefühl und glaubt zu erfrieren.
Es können auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und vermehrter
Harndrang auftreten. Bei schweren Vergiftungen erfolgt der Tod durch Atemstillstand
oder Herzversagen innerhalb der ersten Stunde. 2-5 Blätter des Blauen
Eisenhuts wirken bei einem Erwachsenen tödlich.
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Der Blaue Eisenhut ist
eine der giftigsten Pflanzen Europas.
Dioxin
(genauer 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin oder TCDD) ist eine der giftigsten,
künstlich hergestellten Substanzen. Sie entsteht auch bei der Müllverbrennung
und führt zu einer langfristigen Verseuchung der Umwelt, da sie sich
nur sehr langsam abbaut. Bei der Chemiekatastrophe am 10. Juli 1976 im
italienischen Seveso gelangten 2kg des Giftes in die Umwelt. Eine ganze
Stadt wurde evakuiert und das Gebiet auf Jahrzehnte geschlossen. Die gesamte
obere Erdschicht der Stadt und ihrer Umgebung wurde abgetragen und in aufwendigen
Verfahren verbrannt. Der 2009 amtierende Präsident der Ukraine, Wiktor
Juschtschenko, überlebte im Jahr 2004 einen Mordanschlag mit Dioxin.
Als äußerlich sichtbares Symptom zeigte sein Gesicht die Symptome
einer Chlorakne, im ganzen Verdauungsbereich traten Entzündungen auf.
In einer langwierigen Prozedur wurde sein Körper danach entgiftet.
TCDD war auch als Verunreinigung des im Vietnamkrieges versprühten
Entlaubungsmittel "Agent Orange" enthalten. Einheimische, aber auch US-Soldaten
erkrankten daran.
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TCDD (Dioxin): Strukturformel
Von Tieren produzierte
Gifte wie das Gift von Giftschlangen, Giftfröschen, Skorpionen, Giftspinnen,
Giftfischen oder Giftquallen sind noch giftiger als die Pflanzen- oder
die Pilzgifte (vgl. Gifte in Natur und Umwelt).
Die mit Abstand toxischsten Verbindungen stellen aber die von Bakterien
gebildeten Eiweiße dar.
Botulinustoxin
bildet sich aus Bakterien, die auf verdorbenen Lebensmitteln vorkommen.
Eine tödliches Dosis für den Menschen ist nur schwer abzuschätzen,
in der Literatur schwanken die Werte stark. Der angegebene Wert bezieht
sich auf den niedrigsten bisher ermittelten Wert in einem Tierversuch.
In sehr stark verdünnter Form ist der Wirkstoff als Arzneimittel zugelassen.
Er wird bei einer bestimmten Form von Bewegungsstörungen, beim Schielen
oder bei Lidkrämpfen eingesetzt. In der kosmetischen Medizin kann
man mit dem Medikament "Botox" Falten glätten.
Stoffe mit Gesundheitsgefahr und Umweltgefahr
Zur Erarbeitung der wichtigsten
Begriffe der Toxikologie dient das Arbeitsblatt "Toxische Stoffe für
Mensch und Umwelt. Der Arbeitsplatzgrenzwert
(AGW) löst den früheren MAK-Wert ab. Bei der letalen
Dosis kann diskutiert werden, ob es gerechtfertigt ist, dafür
Daten aus Tierversuchen heranzuziehen. Beispiele für Stoffe mit Gesundheitsgefahr
und Umweltgefahr finden sich im Beitrag Gifte
in Natur und Umwelt.
Zur Demonstration der
Reizwirkung von Stoffen kann man Schüler vorsichtig an einem ammoniakhaltigen
Glasreiniger oder an einer stark verdünnten Ammoniaklösung (ca.
3%) riechen lassen. Das Einatmen der konzentrierten Dämpfe reizt und
verätzt die Schleimhäute und die Augen. Um eine Gefährdung
der Testperson völlig auszuschließen, sind folgende Sicherheitsmaßnahmen
notwendig:
-
Es darf keinesfalls konzentrierte
Ammoniaklösung verwendet werden.
-
Die Testperson darf ihre
Nase nicht über die Flaschenöffnung halten. Sie fächelt
sich den Duft mit der breiten Hand vorsichtig von der Flaschenöffnung
an die Nase.
-
Als Alternative wird ein
Duftstäbchen (Filterpapier 1x10cm) mit einem Tropfen Ammoniaklösung
beträufelt.
Das Demonstrieren der Vorsichtsmaßnahmen
besitzt einen didaktischen Wert. Die Lehrkraft zeigt dabei, wie ein Chemiker
einen Stoff vorsichtig auf seinen Geruch testet: Er fächelt sich den
Duft von der Flasche mit der breiten Hand zu und hält niemals seine
Nase direkt über eine Flasche. Bevor man dies aber tut, sollte man
über die Toxizität Bescheid wissen, bei einem unbekannten Stoff
könnte das ein großes Risiko sein. Bei diesem Versuch zeigt
sich, dass manche Menschen empfindlich auf den Geruch reagieren (Husten),
während andere kaum eine Reaktion zeigen. Manche
Schülerinnen kennen den Geruch vom Frisör, wo Ammoniak bei der
Herstellung einer Dauerwelle frei wird. Vielleicht haben sie es schon als
Fensterputzmittel verwendet. Rettungssanitäter benützen zum Aufwecken
aus einer Ohnmacht Riechstäbchen mit einer verdünnten Ammoniaklösung.
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Zweiter Teil
der Unterrichtseinheit