Funktionsweise
einer Kläranlage
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am Beispiel Renquishausen -
von Erik
Schilling und Richard Ritter
Hinweise:
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Grafik gelangen Sie direkt zu einem Foto und
den dazu gehörenden Informationen. Alle Fotos können auch durch
Anklicken bildschirmfüllend vergrößert werden. Durch erneutes
Klicken schließt sich das Fenster wieder. Die Kläranlage Renquishausen
befindet sich auf der Schwäbischen Alb und ist ein relativ kleines
System zur Reinigung von Abwässern einer ländlichen Ortschaft.
Trotzdem können an der Anlage wesentliche Merkmale einer Kläranlage
verdeutlicht werden.
Station
1: Rechen
Das Wasser kommt aus der Kanalisation durch
den Hauptkanal in die Kläranlage. Die erste Station der Kläranlage
ist der Rechen. Es werden die groben Bestandteile herausgefischt. Der Rechen
hält Bestandteile wie Papier, Holz oder Hygieneartikel zurück.
Station
2: Regenüberlauf
Im Regenüberlauf-Becken fällt
nur Wasser an, wenn es zu heftigen Regenfällen kommt. Über eine
Pumpe, die man steuern kann, wird das Wasser bei Bedarf in ein Sammelbecken
neben dem Nachklärbiotop geleitet.
Station
3: Betriebsgebäude
Im Betriebsgebäude
befindet sich der Klärwärter, der die Anlage mit Hilfe eines
Computers überwacht. Ein integriertes Labor ermöglicht die Untersuchung
von Wasser- und Schlammproben.
Station
4: Schnecke, Sand- und Fettfang
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Schnecke im Schmutzwasser
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Ende der Schnecke mit
Mülleimer
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Der Trockenlaufschnecke beseitigt die
kleineren Bestandteile wie Toilettenpapier oder Binden. Sie füllt
einen Mülleimer im Betriebsgebäude, der zweimal am Tag geleert
wird. Parallel neben der Schnecke verläuft der Sandfang. Hier werden
Fette und Sand abgeschieden und dem Wasserstrom entnommen. Das Fett wird
im Faulbehälter weiterverarbeitet, der Sand wird wie das Rechengut
zur Kompostierung gegeben. Die Stufen der mechanischen Reinigung werden
von einem Computer im Betriebsgebäude gesteuert.
Station
5: Belebungsbecken
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Belebungsbecken
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Belüftungswalze
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In den Belebungsbecken bauen Mikroorganismen,
z.B. Bakterien, die im Abwasser gelösten Schmutzstoffe ab. Die Mehrzahl
der Bakterien benötigen hierzu Sauerstoff, der über eine Druckbelüftung
in das Becken eingeblasen wird. Dazu sind zwei Belüftungswalzen über
dem Becken installiert.
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Belebungsbecken-Zufluss
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Pilze und Belebtschlamm
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Gleichzeitig werden zur Phosphatreduzierung
Fällmittel in Form von Eisensalzen hinzu dosiert. Beim Einblasen von
Sauerstoff können Ammoniumverbindungen
in Nitrat umgewandelt werden. Gleichzeitig
bauen sich organische Kohlenstoffverbindungen ab. In separaten Beckenabschnitten
mit unbelüfteten Zonen erfolgt nach einer längeren Belüftungsphase
die Denitrifikation des Nitrats zu Stickstoff
(vgl. >Stickstoffkreislauf). Das Nitrat
könnte zu einer Überdüngung der Gewässer führen
(>Eutrophierung). Die
Vorgänge im Belebungsbecken entsprechen den Selbstreinigungsmechanismen
der natürlichen Gewässer mit dem Unterschied, dass diese hier
durch die hohe Organismendichte wesentlich schneller ablaufen.
Station
6: Belebungsbecken-Ausfluss und Pumpenschacht
Im Pumpenschacht wird der im Nachklärbecken
abgesetzte Belebtschlamm wieder ins Belebungsbecken zurückgeführt.
Der durch die Vermehrung der Mikroorganismen entstandene überschüssige
Schlamm wird aus dem Kreislauf herausgenommen und der Schlammbehandlung
zugeführt.
Station
7: Nachklärbecken
Im Nachklärbecken werden dem Gemisch
die Belebtschlammflocken entzogen und das jetzt mechanisch-biologisch und
chemisch gereinigte Abwasser gelangt in das Nachklärbiotop. Der sich
am Beckenboden absetzende Schlamm wird wieder in das Belebungsbecken zurückgeleitet,
um dort die biologischen Abbauvorgänge aufrechtzuerhalten. Das saubere
Wasser lauft in die Rinnen, die am Rand des Becken sind.
Station
8: Schlammsilo
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Schlammsilo
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Trocknen des Schlamms
im Labor
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Im Schlammsilo werden der überschüssige
Schlamm und die Schmutzbestandteile gelagert. Der Schlamm wird, bevor er
zur solaren Trocknung gelangt, zuerst im Labor untersucht, ob noch Schmutzpartikel
darunter sind. Es wird eine kleine Probe genommen und diese im Offen getrocknet.
Man möchte wissen, wie schnell der Schlamm getrocknet werden kann.
Danach erst wird der Schlamm in die solare Trocknungsanlage weitergeleitet.
Station
9: Solare Trocknung (>Film)
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wärmedämmendes
Gebäude
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"Elektrisches Schwein"
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Das Gebäude besteht aus einer wärmedämmenden,
UV-stabilisierten Folie aus Polyethylen. Die Lüftungsanlage reguliert
den Lufteinlass, während die Entlüftungs-Ventilatoren für
einen hohen Luftaustausch sorgen. Die Umluftventilatoren im Innern des
Gebäudes führen die Luft zum Schlamm am Boden. Das "Elektrische
Schwein" fährt durch den Schlamm und sorgt für das Mischen, Wenden
und Belüften des Schlamms (>Film). Der
ganze Vorgang wird durch Temperatursensoren und eine mikroprozessorgesteuerte
Anlage überwacht.
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Auf diese Weise kann der Schlamm auf einen
Wassergehalt von 10% reduziert werden. Diese Reduzierzung stellt eine attraktive
Möglichkeit zur Kostenreduzierung dar, denn in Deutschland fallen
jährlich mehr als 60 Millionen Tonnen Klärschlamm an. Die solare
Trocknung ist eine umweltfreundliche Methode, die Menge an anfallendem
Klärschlamm zu verringern. Es entfallen viele Straßentransporte
und eine Tonne an getrocknetem Klärschlamm ersetzt beim Verbrennen
im Kraftwerk fast eine Tonne Braunkohle.
Station
10: Nachklärbiotop und Versickerungsbecken
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Einleitung in das Nachklärbiotop
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Wasserpflanzen
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Die Nachbehandlung des gereinigten Wassers
aus der Kläranlage erfolgt in einem zu 50% mit Schwimmblattpflanzen
bedeckten Nachklärbiotop. Die ins Wasser hängenden Wurzeln bieten
eine große Reinigungsfläche für Mikroorganismen, die das
Wasser reinigen. Zusätzlich versenkte Gitterboxen sind mit Larven
der Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) beimpft. Diese filtrieren das
Wasser und beseitigen Fäkalkeime, Parasiten oder Viren. Die Umgebung
ist mit Wasserpflanzen begrünt, z.B. mit Schilfrohr oder mit Schwertlilien.
Solange die Pflanzen blühen und frisch bleiben, ist es ein Anzeichnen
dafür, dass das Wasser rein ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich
um das Gewässer neue Tierarten ansammeln.
Versickerung des gereinigten
Wassers
Bei der nachfolgenden Versickerung wird
das Wasser zusätzlich gereinigt, da es durch die Kalkschichten durchdringt
und noch vorhandene Schmutzreste hängen bleiben. Bei eigenen Messungen
testeten wir den Ammoniumgehalt des gereinigten Wassers in einem direkt
angrenzenden Gewässer, der nur noch 0,6mg/l betrug. Damit wurde fast
der Grenzwert für Trinkwasser erreicht, der bei 0,5mg/l liegt.
In Renquishausen nicht verfügbare
Station: Faulturm
Größere Anlagen in Städten
besitzen als erste Stufe zur Schlammbehandlung einen Faulturm. Hier wird
der anfallende Roh- und Überschussschlamm bei einer mittleren Aufenthaltszeit
von ca. 20 Tagen bei etwa 37°C durch Bakterien anaerob - d.h. unter
Luftabschluss - zersetzt. Bei diesem Zersetzungsprozess entsteht Faulgas
(Hauptbestandteil Methan, vgl. auch
>Biogasanlage), das in Gasmotoren als wichtige
Strom- und Wärmequelle für das Klärwerk genutzt wird.
Der ausgefaulte Schlamm ist praktisch
geruchlos, enthält aber immer noch einen hohen Wasseranteil von rund
95 Prozent. Deshalb wird in den Nacheindickern mit Hilfe der Schwerkraft
Wasser vom Schlamm abgetrennt. Anschließend wird der Schlamm mit
Polymeren aufbereitet und in einer Kammerfilterpresse bei 15 bar Überdruck
zu einem krümelig-stichfesten Filterkuchen gepresst, der dann zur
Deponie abgefahren werden kann.
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Einen besonderen
Dank geht an den Klärwärter Adolf Mattes aus Renquishausen!
Literatur und Links:
Universität Hohenheim: Solare Klärschlammtrocknung
(Download
als pdf-Datei)
Thermo-System
(Entwicklungsfirma der Solaren Trocknung)
Gemeinde
Renquishausen (Hrsg. der Broschüre): Sanierung der Kläranlage
und Erweiterung der Anlage
Klaeranlage-Online
(Seite über die Funktionsweise einer Kläranlage)