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Chemie
der Dauerwellen
Aus der Frühgeschichte der Dauerwelle
Bereits im Altertum um 3000 vor Christus
wurden Haare auf erhitzte Tonwickler gedreht. Auch die Römer kannten
ein Verfahren, bei dem sie die Haare mit einem Calamistrum formten, einem
Röhrchen in das ein erhitzter Stab geschoben wurde. Es folgten noch
viele Formen mit Krepp- und Brenneisen nach ähnlichem Prinzip. Im
Jahre 1750 wurden Locken mit erhitzten Quetsch- und Papilloteisen ins Haar
geformt. Bei diesem Verfahren führte allerdings bereits Feuchtigkeit
zur Zerstörung der Locken. Die im natürlichen Haar bestehenden
Doppelschwefelbrücken konnten gar nicht, die Salzbrücken nur
teilweise gelöst werden.
Johann Sebastian
Bach lebte in der Barockzeit und trug eine Perücke im Modestil der
Zeit
Im 18. Jahrhundert entwickelte man endlich
ein Verfahren, das Haare dauerhaft umformte. Es konnte aber nur an abgeschnittenem
Haar, z.B. bei Perücken angewendet werden. Betrachtet man die Vorgehensweise
näher, wird auch deutlich warum:
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Stufe 1: Das abgeschnittene Haar (Perückenhaar)
wurde auf Kraushölzer gedreht und einige Stunden in einer alkalischen
Lösung gekocht. Auf diese Weise erweichte man das Haarkeratin.
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Stufe 2: Anschließend wurde das Haar
mit einer Essiglösung behandelt und danach im Backofen getrocknet.
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Stufe 3: Durch Abkühlung wurde das Haarkeratin
in der neuen Form gefestigt.
Die Heißwelle
1906 erfand Karl Nessler (1872-1951) die
Heißwelle. Bei diesem Verfahren, das er sich patentieren ließ,
wurden die Haare direkt am Kopf dauerhaft umgeformt. Es war aber nicht
nur sehr aufwendig, sondern barg auch noch viele Gefahren:
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Das Haar wurde partienweise mit einer alkalischen
Lösung angefeuchtet und spiralförmig auf einen Stabwickler gewickelt.
Dabei standen die Wickler senkrecht vom Kopf ab.
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Angefeuchtete Flanellstreifen hielten das
Haar feucht, verhinderten das Ablaufen und schützten die Haut vor
Verbrennungen.
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Jeder Wickler stand auf einem Isolierring,
der Hautverbrennungen verhindern sollte.
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Auf je 2 Wickler wurden vorgeheizte Hülsen
gestülpt, die der Friseur während des Kochvorgangs festhalten
musste.
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Die neue gestilte Form wurde mit saueren Präparaten
und durch Abkühlung festgelegt.
1909 gab es einen Dauerwellapparat, bei dem
die Heizhülsen mit elektrischem Strom beheizt wurden. Eine Behandlung
dauerte gut fünf Stunden und kostete etwa zwei Wochenlöhne eines
Arbeiters! Das Ergebnis war oft zweifelhaft: Die Haare waren häufig
überkraust und ausgetrocknet.
Die Kalt-Dauerwelle
Ab 1940 löste die heute gebräuchliche
Kaltwelle die Heißwelle ab. Sie kam wegen der Entwicklerlösung
ohne Hitze aus. Die Dauerwellbehandlung bei einer Kaltdauerwelle erfolgt
in fest vorgegebenen Schritten:
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Das feuchte Haar wird auf Wickler aufgedreht,
dabei lösen sich die Wasserstoffbrücken, das Haar wird etwas
weicher und die Keratinketten werden in Längsrichtung unter Spannung
gesetzt.
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Die Dauerwellen-Lösung wird als Schaum,
Gel, Creme oder Flüssigkeit aufgetragen. Durch das enthaltene Alkali
wird das Reduktionsmittel aktiviert und das Haar etwas aufgequollen. Das
Reduktionsmittel löst die Doppelschwefelbrücken teilweise.
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Nach der Einwirkzeit wird die Lösung
abgespült und das Haar abgetupft.
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Die Fixierung wird aufgetragen. Das enthaltene
Peroxid unterbricht den Umformungsprozess und schließt die Doppelschwefelbrücken
in ihrer neuen Position.
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Alkalireste werden abgespült. Das Haar
ist dauerhaft gelockt. Nachfolgende Haarwäschen lösen nur Wasserstoffbrücken.
Die Doppelschwefelbrücken sind dauerhaft fixiert.
Da bei jeder Dauerwelle einige Doppelschwefelbrücken
nicht mehr geschlossen werden, verliert das Haar bei zu häufigen Unformungen
an Stabilität.
Chemische Vorgänge bei der Kalt-Dauerwelle
Um die Haare dauerhaft zu locken, sollten
nicht nur die Salz- und die Wasserstoffbrücken, sondern auch die Doppelschwefelbrücken
im Haar gelöst werden. Als erstes werden vom Wellmittel Wasserstoffatome
abgegeben. Diesen Vorgang nennt man Entwickeln. Die Wasserstoffatome
lagern sich an die Schwefelatome der Doppelschwefelbrücken an. Diese
werden dadurch teilweise gespalten, und die Haarstruktur lockert sich.
Da bei dem Vorgang Wasserstoffatome angelagert werden, handelt es sich
um eine Reduktion.
Bei der Verformung des Haares
wird das Haar auf Wickler gedreht, so dass es sich der Form anpasst.
Beim Fixieren wird aus dem
Oxidationsmittel der Fixierung Sauerstoff abgegeben. Der Sauerstoff entzieht
den Schwefelatomen die Wasserstoffatome wieder und verbindet sich mit ihnen
zu Wasser. Die Schwefelatome bilden neue Doppelschwefelbrücken, das
Haar wird dadurch in der neuen Form gefestigt. Wegen der Anlagerung von
Sauerstoff an die Wasserstoffatome spricht man bei der Fixierung von einer
Oxidation.
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Das Wellmittel löst
die Doppelschwefelbrücken
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Das Fixiermittel bildet
neue Doppelschwefelbrücken
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Die Wirkung der Inhaltstoffe eines
Wellmittels
Je nach gewünschter Wellwirkung lässt
sich die Komposition durch einen mehr oder weniger großen Anteil
der Inhaltsstoffe verändern.
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Reduktionsmittel: Sie lösen die Doppelschwefelbrücken.
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Alkali: Aktiviert das Reduktionsmittel und
lässt Haar schneller aufquellen.
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Emulgatoren und Lösungsmittler: Sie enthalten
schwer wasserlösliche Inhaltsstoffe wie Fette, Öle und Wachse
in der Emulsion stabil.
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Pflegestoffe: Um das Haar soweit wie möglich
während des Dauerwellprozesses zu schützen, sind dem Mittel Pflegestoffe
zugesetzt.
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Parfümöle: Der Geruch nötiger
Grundsubstanzen wird mit einer angenehmen Duftnote überdeckt.
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Farbstoffe: Um einzelne Wellstärken auf
den ersten Blick unterscheiden zu können, sind Farbstoffe zugesetzt.
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Netzmittel: Sie setzen die Oberflächenspannung
der Well-Lösung herab und ermöglichen ein gleichmäßiges
Benutzen von Haaren mit der Wirkstoff-Lösung.
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Wasser: Für wellwirksame Bestandteile
des Dauerwell-Präparates dient Wasser als Lösungsvermittler.
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Oxidationsmittel: Zum Abschluß der Behandlung
fixiert das Oxidationsmittel die umgeformten Haare.