von Bernhard Waizenegger |
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Inhaltsverzeichnis:
1. Entstehung in natürlichen
Prozessen und Vorteile für die Umwelt
2. Zusammensetzung und Eigenschaften
von Biogas
3. Technik der Biogaserzeugung
4. Nutzungsmöglichkeiten
und Wirtschaftlichkeit von Biogas
1. Entstehung in natürlichen Prozessen und Vorteile für die Umwelt
Wohin uns das Energieproblem noch bringen
wird, ist noch nicht abzusehen. Die fossilen Brennstoffe werden in spätestens
50 Jahren knapp werden (vgl. Grafik).
Deshalb müssen neue Verfahren der Energiegewinnung entwickelt werden.
Eine davon ist die Biogasgewinnung. Hier handelt es sich um eine völlig
natürliche und erneuerbare Energiequelle, die uns ein Gas liefert,
das zu 50 - 70 % aus Methangas besteht.
Das Prinzip und der Bau einer solchen Biogasanlage ist relativ einfach.
Angewendet können solche Anlagen in der Landwirtschaft, der Ernährungs-
und Agrar-Industrie und der Kommunalen Entsorgung. In Verbindung mit Gülle
sind organische Reststoffe besonders gut vergärbar. Angesichts solcher
Möglichkeiten, sollten besonders die Kommunen ihre Kläranlagen
mit Biogasanlagen ausstatten. Aber am häufigsten werden Biogasanlagen
in der Landwirtschaft eingesetzt.
| Biogas bildet sich in der Natur immer dann, wenn sich organische Verbindungen unter Luftabschluss zersetzen, z.B. bei der Verwesung von totem tierischem und pflanzlichem Material. Dafür sind anaerobe Bakterien, die ohne Sauerstoff leben können, verantwortlich. Der in mehreren Stufen ablaufende Prozess findet z.B. in Sümpfen und Mooren, auf Reisfeldern, im Dickdarm von Tieren und Menschen - vor allem in den Mägen der Wiederkäuer, in Misthaufen und Jauchegruben oder auf Müllkippen statt. Vereinfacht kann für die Biogasentstehung folgende Reaktionsgleichung angegeben werden: |
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Methan
gehört neben Kohlenstoffdioxid
zu den Hauptverursachern des Treibhauseffekts.
Bei der Biogasnutzung wird das entstehende Methan und Kohlenstoffdioxid
kontrolliert verbrannt, daher ist die Energienutzung CO2-neutral.
Fossile Energieträger, wie z.B. Erdöl oder Kohle, werden eingespart.
Die Geruchsbelästigung wird im Vergleich zur Kompostierung minimiert,
da die Vergärung in geschlossenen Behältern erfolgt. Für
Landwirte stellt die Energeigewinnung eine sinnvolle Alternative dar, da
sie die Grünmasse und den Stallmist sinnvoll umwandeln können.
Darüber hinaus kann die Energie rund um die Uhr unabhängig vom
Netzt für den Eigenbedarf produziert werden und ist speicherbar. Insofern
erscheinen die erstmaligen und relativ hohen Kosten zum Bau einer Anlage
durchaus sinnvoll.
2. Zusammensetzung und Eigenschaften von Biogas
Biogas (= Sumpfgas, Faulgas) ist ein durch den anaeroben, mikrobiellen Abbau von organischen Stoffen entstehendes Gasgemisch, das zu 50 - 70 % aus dem hochwertigen Energieträger Methan (CH4) besteht. Weitere Bestandteile sind 30-40% Kohlendioxid (CO2) sowie Spuren von Schwefelwasserstoff (H2S), Stickstoff (N2), Wasserstoff (H2) und Kohlenmonoxid (CO):
Zusammensetzung von Biogas
Quelle der Tabelle: Boxer-Infodienst
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Eigenschaften von Biogas
Quelle der Tabelle: Boxer-Infodienst
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(abhängig vom Methangehalt) |
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nach faulen Eier |
Das Gas (Methan) entsteht in Gärbehältern
und wird in Kesseln (Dampf) oder Motoren zur Stromerzeugung verbrannt.
Als Ausgangsstoffe für die Biogaserzeugung
kommen grundsätzlich alle Arten von Biomasse in Frage, deren Hauptkomponenten
Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Cellulose
und Hemicellulose sind (nicht jedoch Lignin
und lignininkrustierte Cellulose, d.h. die strukturgebende Komponente von
Holz und Stroh). Die für die Biogasproduktion nutzbaren organischen
Stoffe (= Gärsubstrate) sind zumeist Rest- oder Nebenprodukte verschiedener
Branchen und Bereiche in unserer Volkswirtschaft:
Maximal mögliche Gaserträge pro Tonne Material
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Grafik: Copyright Thomas Seilnacht
Das frisch erzeugte Biogas muss zunächst
gereinigt werden: Durch Zufuhr von Sauerstoff wird es entschwefelt und
anschließend in einem Kondensatabscheider getrocknet. Außerdem
kann durch das Durchleiten durch eine eisenhaltige Masse der entstandene
Schwefelwasserstoff chemisch umgewandelt werden. Bis zur Verbrennung wird
das Biogas zum Beispiel in flexiblen Folienkissen gelagert.
| Der runde Behälter ist der Güllevorrat, rechts daneben das Häuschen für den Gasbehälter, den Motor mit dem Generator und die Steuerung. Unterhalb des großen Behälters sieht man die Fermenenterdecke (große Betonfläche). | Hier wird gerade Mist über den Einfüllstutzen in den Fermenter gefüllt. Mit dem Rohr gelangt flüssige Gülle in den Fermenter und erleichtert so das Mischen mit dem Rührwerk. Die gelben Styroporwürfel dienen der Isolierung. | |
| Auf dem Fermenter befindet sich das Rührwerk. Es ist in Höhe und Neigung verstellbar, die Kontrolle erfolgt über Sichtfenster. Das Rühren verhindert die Bildung von Schwimmdecken und Sinkschichten. Die Temperatur wird bei 35-40°C konstant gehalten. | Ein umgebauter Dieselmotor arbeitet mit Biogas (und ca. 10% Dieselzusatz zur Schmierung) und treibt den Generator zur Erzeugung von elektrischem Strom. Die Abwärme des Motors dient wiederum zum Beheizen des Fermenters oder sogar des Hauses. |
Die aus der Vergärung übriggebliebene Biomasse eignet sich hervorragend als biologischer Dünger. Neben dem reinen Energiegewinn aus der Biogasanlage bringt die Güllevergärung weitere Vorteile mit sich, die von mittelbarem wirtschaftlichen Nutzen sein können:
4.
Nutzungsmöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit von Biogas
Biogas lässt sich grundsätzlich in allen bekannten Gasgeräten und Maschinen verwenden. Eine sehr effiziente Nutzung der hochwertigen Energiequelle Biogas stellt der Betrieb einer Kraft-Wärme-Kopplung in einem Blockheizkraftwerk dar. Das Biogas ist dabei Brennstoff für einen umgerüsteten Diesel- oder Benzinmotor, der zur Stromgewinnung einen Generator antreibt. Die dabei anfallende Abwärme des Motors wird als Heizwärme genutzt. Der produzierte Strom wird in Haushalten oder Betrieben verwendet und die Überschüsse in das öffentliche Stromnetz eingespeist, wofür es eine Einspeisevergütung gibt. Von der im Biogas enthaltenen Energie lassen sich ca. 30% als Strom und 60% als nutzbare Abwärme gewinnen. Ein Teil der Wärme wird oft direkt wieder zum Erwärmen des Gärbehälters verwendet. Die Verdichtung von Biogas zum Betrieb von Schleppern und Kraftfahrzeugen ist technisch zwar möglich, bei den derzeitigen Kraftstoffpreisen aber nicht rentabel. Außerdem ist die Zusammensetzung von Biogas wegen schwankender Substrateigenschaften nicht konstant, so dass keine gleichbleibende Treibstoffquälität gewährleistet ist. Biogasanlagen werden vor allem in Kläranlagen und landwirtschaftlichen Betrieben zur Energiegewinnung und Abfallentsorgung eingesetzt.
Über die Wirtschaftlichkeit lassen sich pauschal nicht viele Aussagen treffen. Aber es gilt grundsätzlich: Anlagen, die weitgehend im Selbstbau mit einem hohen Anteil an Eigenleistung und unter Verwendung von gebrauchten Bauteilen gebaut werden, haben aufgrund geringerer Erstellungskosten bessere Aussichten auf das Erreichen einer Wirtschaftlichkeit als industriell gefertigte Anlagen, die häufig nur mit staatlicher (oder sonstiger Förderung) wirtschaftlich arbeiten können. Allerdings erfordert der hohe Eigenleistungsanteil auch viele Arbeitsstunden und Eigenbauanlagen sind vergleichsweise reparaturanfälliger und kurzlebiger. Was die Größe betrifft, gilt die Faustzahl 80 bis 100 GV (Großvieheinheiten) um in den rentablen Bereich zu kommen. Eine Möglichkeit die Kosten zu drücken besteht in der Gemeinschaftsnutzung einer Anlage durch mehrere Landwirte.
anaerob: Sauerstoffausschluss
(im Fermenter)
mesophil: Temperaturbereich
in der Biogasanlage 30-35°C (15-30 Tage im Fermenter)
termophil: Temperaturbereich
in der Biogasanlage 35-42°C (65 Tage im Fermenter)
silophil: Temperaturbereich
- normale ungeheizte Temperatur der Biogasanlage (bis zu 6 Monate im Vermenter)
Cellulose : Hauptbestandteil
pflanzlicher Zellwände; Zellstoff
Hemicellulose:
Halbzellulose - gehächselte Rinde Bäume...
Trockensubstanz:
Als Zusatz kommen in den Fermenter auch noch Mist; Grünabfall ....
Flotatfette:
Vom Fettabscheider im Schlachthof; Fettabfälle
Fermenter: Der
„Reaktor“ der Biogasanlage - der geschlossene Gärbehälter, in
dem das Gemisch (Gülle; Mist; Trockensubstanz...) das Gas produziert.
GV: 1 GV(Großvieheinheit)
= 500kg (1Kuh) ; z.B. : 1Kalb = 300kg = 0,6GV (Großvieheinheiten);
bei Berechnungen: 1,5m³ Biogas ergeben
1GV
C/N-Verhältnis
der Gülle: Kohlenstoff/Stickstoff Verhältnis der Gülle nach
dem Vergären
N-Verluste: Stickstoff-Verluste
(in der Gülle - nach dem Vergären)
1. Novatech GmbH, 42369 Wuppertal-Ronsdorf
2. Buch: Erneuerbare Energie in der Landwirtschaft
3. Ingenieurbüro Dipl.-Ing. (FH):
Christoph Martens, 27404 Rockstedt
4. Umwelt-Technik-Süd GmbH, 84419
Obertaufkirchen
5. Lipp GmbH Maschinen- und Stahlbehälterbau
Umwelttechnik, 73497 Tannhausen
Biogasforum
Schweiz
Biogas
der WU Wien
Biomasse
Infozentrum
Biomasse
- statistische Zahlen bei GEO
Boxer
- Infodienst Biogas
Informationen
zu Biogasanlagen der Uni Hohenheim