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Lotos- und Geckoeffekt
Experimente zum Lotos- und Geckoeffekt
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| Stoffe
Kohlrabiblatt, Wasser, Kohlrabi- und Salat-Blätter, Wachspapier, Kohlepulver
oder Ruß, Mehl, fein zerteilte Gartenerde, Textilstück aus Wolle,
Textilstück mit hydrophober Nano-Beschichtung (aus der NanoboX
der VCI), Klebstoff auf Wasserbasis, selbsthaftender Stoff, Papier
80g, Kunststoff-Folie, Glasreiniger |
| Geräte
Objektträger, Kerze, Pipette, Glasplatte ca. 20x30xm aus Bilderrahmen,
Geodreieck mit Winkelmessung, Schere, Eimer |
Experimentreihe 1: Lotoseffekt
Wenn man kein Lotosblatt
beschaffen kann, ist der Gang zum Wochenmarkt angesagt. Dort findet man
zahlreiche Gemüse, deren Blätter den gleichen Effekt zeigen.
Ausgesprochen gut funktionieren beispielsweise Kohlrabi- oder Kapuzinerkresse-Blätter.
"Beschmutzt" man solche Blätter
mit Mehl oder Ruß, dann lassen sie sich mit Wassertropfen gut reinigen.
An denjenigen Stellen wo die Wassertropfen laufen, bilden sich gesäuberte
Bahnen auf dem Blatt.
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(nur auf CD-ROM)
Lotoseffekt auf Kohlrabi-Blatt
(links), Mehl und Wassertropfen (rechts)
Damit der Lotoseffekt
besser verstanden wird, stellt man den Schülerinnen und Schülern
Beobachtungs- und Recherchieraufgaben, beispielsweise in dieser Reihenfolge:
-
Gib auf ein Textilstück
aus Wolle einen Wassertropfen und beschreibe die Form des Tropfens!
-
Erzeuge Tropfen, die der
Kugelform am besten entsprechen!
-
Erläutere die Form des
Wassertropfens anhand der Oberflächenspannung.
-
Warum geht der Tropfen nicht
in das Gewebe?
-
Erläutere den Nachteil
dieses Effekts beim Waschen.
-
Wie wird das Problem durch
die Waschmittel gelöst?
-
Beschmutze ein Kohlrabiblatt
mit Kartoffelstärke und lass Wassertropfen darüber laufen.
-
Tauche das Kohlrabiblatt
in einem Wassereimer unter Wasser. Lässt es sich benetzen?
-
Führe die gleichen Versuche
mit anderen Blättern und Materialien durch (Salatblatt, nanobeschichtetes
Textilstück, Wachspapier, normales Papier).
-
Experimentiere mit verschiedenartigen
Verschmutzungen (Kohlepulver, Mehl, Ruß als Verbrennungsprodukt von
Papier, u.a.).
-
Haftet ein Klebstoff auf
Wasserbasis am Blatt?
-
Wie löst das Kohlrabiblatt
das Problem? Betrachte dazu ein elektronenmikroskopisches Bild der Blattoberfläche
einer Lotospflanze!
-
Haften die Schmutzteilchen
besser am Wasser oder besser an der Blattoberfläche?
-
Erkläre den Lotoseffekt
mit deinen eigenen Worten!
-
Erstelle eine Zeichnung wie
du dir den Effekt eines selbstreinigenden Autolacks im Modell erklärst.
-
Zusatzaufgabe: Besorge dir
die Samen der Kapuzinerkresse und züchte die Pflanze. Experimentiere
mit den Blättern!
Es ist von Bedeutung, dass
die Schüler die Experimente variieren und die Erklärungen selbst
finden. Als Hilfe dient diese Internetseite, die damit verbundene CD-ROM
oder weitere Medienquellen.
Experimentreihe 2: Adhäsionswirkung
bei zwei festen Stoffen
Man kann zuerst den Gecko
und seine Leistungen vorstellen. Interessant wäre auch die Frage,
ob ein Gecko auf Teflon oder auf
einer mit Sand oder Mehl beschichteten Glasplatte laufen kann. Die Antwort
dazu wird zunächst nicht gegeben.
Eine 20x30cm große
Glasplatte aus echtem Glas mit abgeschliffenen Kanten wird in einem Winkel
so schräg gestellt (beispielsweise 30° Neigung), dass ein 2x2cm
großes Papierquadrat gerade noch haftet. Man muss darauf achten,
dass die Glasplatte zunächst absolut fettfrei ist und dass die ausgeschnittenen
Papierstücke (80-Gramm-Papier) völlig plan sind. Die Papierstücke
werden angedrückt. Man kann die Versuchsreihe auch mit Kunststoff-Folien
durchführen. Nun sollen die Schüler herausfinden, wodurch die
Haftung beeinflusst wird:
-
Untersuche, ob das Papierstück
haften bleibt oder herunterrutscht!
-
Wie beeinflusst der Neigungswinkel
das Ergebnis?
-
Verändert sich die Haftung,
wenn die Papierstücke vorher mit Kartoffelstärke "verschmutzt"
wurden?
-
Suche nach weiteren Ideen
wie die Haftung verbessert oder verschlechtert werden kann!
Adhäsionsfolien sind
im Bürobedarf erhältlich. Sie haften ohne Klebstoff an einem
Schaufenster und können sehr einfach wieder abgezogen werden. Mit
diesen Folien kann man ähnliche Experimente direkt an einem Fenster
durchführen.
Experimentreihe 3: Adhäsionswirkung
bei einem festen Stoff und Wasser
Ein Objektträger
wird mit einer Kerzenflamme stark verrußt. Dann hält man ihn
etwas schräg und gibt darauf Wassertropfen aus einer Pipette.
Die Wassertropfen bleiben
nicht am Glas haften, sondern gleiten blitzschnell über die Oberfläche.
Im Film ist noch zu sehen, wie die Wassertropfen Russpartikel mitreißen,
die nicht fest genug auf der eingebrannten Rußschicht haften.
Film
starten
Interessant ist aber
jetzt die Frage, was passiert, wenn man einen Wassertropfen über eine
glatte Glasfläche laufen lässt. Welches Material übt mehr
"Anziehung" (mehr Adhäsion) auf das Wasser aus? Die mit Ruß
beschichtete Glasplatte oder das Glas alleine? Es existieren noch viele
Variationsmöglichkeiten:
-
Wie verhalten sich Wassertropfen
auf anderen Materialien beispielsweise auf Kunststoffen, auf Textilien
oder anderen wasseranziehenden Stoffen, auf unterschiedlichen Papiersorten?
-
Lassen sich zwei Glasplatten
(z.B. Objektträger) auseinanderziehen, wenn man eine Wasserschicht
dazwischen legt? Wie bekommt man sie auseinander?
Erläuterungen auf der Phänomene-Ebene
Ein Wassertropfen haftet
je nach Material unterschiedlich. Wenn er darauf schlechter haftet, nähert
sich seine Form einer Kugel an, und er gleitet leichter darüber. Dies
ist bei Verschmutzungen oder bei einer Rußschicht der Fall. Wenn
er gut haftet, flacht die Kugelform ab oder sie wird zerstört. Dies
ist auf einer sauberen Glasplatte der Fall. Filterpapiere wirken wasseranziehend,
sie saugen sich mit Wasser voll. Legt
man eine Wasserschicht zwischen zwei Glasplatten, wird die Haftung enorm
vergrößert.
Das Lotosblatt hat auf
seiner Oberfläche Noppen, die mit Wachskügelchen besetzt sind.
Diese verhindern den Kontakt mit dem Wassertropfen. Auch Schmutzteilchen
finden keinen guten Halt, sie werden mit den Wassertröpfchen aus dem
Regen abgewaschen. So funktioniert das Selbstreinigungsprinzip in der Natur.
Eine Verschmutzung auf den Blättern muss die Lotospflanze unbedingt
verhindern, da sie sehr viel Sonneneinstrahlung braucht, um ihre großen
Blüten zu entwickeln.
Der Gecko hat an seinen
Füßen viele Härchen mit aufgespaltenen Enden. Die unglaubliche
Summe von einer Milliarde solcher Enden pro Gecko ermöglichen insgesamt
eine hervorragende Haftung auf dem Untergrund. Ein feuchter Untergrund
verbessert diese Haftwirkung noch zusätzlich. Auf Antihaftbeschichtungen
wie Teflon rutscht selbst der Gecko aus. An Glasplatten haftet er dagegen
hervorragend.
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(nur auf CD-ROM)
Rotwein auf hydrophilem
Geschirrtuch aus Baumwolle (links),
Rotweintropfen auf hydrophobem,
nanobeschichtetem Stoff (rechts)
Erläuterungen mit Hilfe der Fachbegriffe
Die Adhäsion
ist die Ursache, dass ein Material überhaupt auf einer Glasplatte
haften kann. Es sind Kräfte, die zwischen zwei Materialien vorherrschen.
Dass der Wassertropfen eine runde Form annimmt, ist ein Resultat der Kohäsion,
also derjenigen Kräfte, die innerhalb des Tropfens auftreten. Für
den Wassertropfen ist die Kugelform energetisch günstig. Die Kugelform
bildet die kleinst mögliche Oberfläche, sie ist ein Resultat
der Oberflächenspannung an der
Grenzfläche Wasser-Luft. Wenn die von außen wirkende Adhäsion
zu stark wird, wird die Kugelform aufgegeben, da sie dann energetisch ungünstiger
ist. Dies ist bei einer sauberen Glasplatte teilweise der Fall.
Wenn man zwei Objektträger
mit Wasser befeuchtet und aneinanderlegt, lassen sie sich kaum noch voneinander
abziehen. Die Adhäsionswirkung ist dann sehr groß. Legt man
einen Wassertropfen auf ein wasseranziehendes (hydrophiles) Geschirrtuch,
dann wird die Kohäsion im Tropfen ebenfalls überwunden. Es findet
eine Benetzung statt, der Wassertropfen breitet
sich in dem Tuch aus.
Beim Lotoseffekt verhindert
die Noppenstruktur mit der extrem wasserabweisenden (hydrophoben) Wachsschicht
jegliche Adhäsion, so dass auch an denjenigen Stellen, wo der Wassertropfen
aufliegt, keine Benetzung stattfinden kann. Eine Rußbeschichtung
ist ebenfalls hydrophob und verhindert eine Benetzung, da sie noch Reste
von unverbranntem Paraffin enthält. Bei mit Nanopartikeln
beschichteten Textilien sitzen 200nm kleine, hydrophobe Nanoteilchen
dicht aneinander und verhindern, dass Schmutzpartikel einen Kontakt zum
Textilmaterial haben. Die Adhäsionswirkung auf die Schmutzpartikel
ist dadurch so gering, dass sie schon von normalem Regen abgewaschen werden.
Der Gecko
nutzt die Van-der-Waals-Kräfte, die zwischenmolekularen Kräfte,
die beim Kontakt der Milliarde Haft-Enden an den Füßen beispielsweise
mit einer Glasplatte wirken. Da Feuchtigkeit die Adhäsion verstärkt,
können sich Geckos auf leicht feuchtem Material noch besser festhalten.
Antihaftbeschichtungen wie Teflon verhindern die Adhäsion, so dass
selbst der Gecko ausrutscht.