Aus der Idee im Chemieunterricht selbst Farben herzustellen und mit den Schülerinnen und Schülern im Bildnerischen Gestalten damit zu arbeiten, entwickelte sich während meiner Lehrertätigkeit ein „Farbenprojekt“. Damit ein Pigment dauerhaft auf einem Untergrund haftet, wird ein Bindemittel benötigt. Dabei erwies sich das Casein, das man aus der Milch gewinnen kann, als sehr geeignet. Casein ist in Wasser nicht gut löslich, aber man kann es mit gelöschtem Kalk im Wasser aufschließen. Der entstehende Brei wird mit den Pigmenten vermischt. Ähnliche Techniken benutzten schon die Römer.
Eine weitere Station waren meine Kurse mit Schulklassen im Zentrum Paul Klee. Wir malten mit den selbst hergestellten Caseinfarben Bilder und präsentierten diese im Kindermuseum Creaviva in einer eigenen Ausstellung.
Die Techniken entstanden im Lauf der Jahre durch eigenes Experimentieren. Anregungen zum Malen erhielt ich auch von Fred Baumann. Die meisten Gemälde aus diesem Buch wurden in Bern oder in Gwatt bei Thun angefertigt und sind mit Caseinfarben gemalt.
Es ist immer wieder spannend, mit den aus Pigmenten hergestellten Farben den Charakter der Motive herauszuarbeiten. Beim Malen und beim Trocknen verlaufen die Farben, sie bilden unvorhergesehene Effekte, sie verändern sich, sie blühen aus, es beginnt zu schillern oder zu glänzen. Für manche Maler wäre das ein unerträglicher Zustand, aber die Kombination des freien Verlaufens der Farben in Verbindung mit der bewussten Bearbeitung ergibt die Spannung. Die Pigmente werden beim Prozess der Kristallisation des Casein-Bindemittels sehr gut fixiert. Besonders farbstarke Pigmente wie Ultramarinblau, Berliner Blau oder Eisenoxidschwarz lassen sich in der verarbeiteten Farbe noch geringfügig abreiben. Dafür ist ihre Leuchtkraft einmalig und die Farben erweisen sich als sehr lichtbeständig.
Die Landschaftsformationen am Thuner See mit dem Niesen und den umliegenden Bergen üben eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Auch die Wildheit der Landschaft in Island fasziniert mich sehr. Die Gemälde im Buch sind in etwa so angeordnet, wie sie in zeitlicher Reihenfolge entstanden.
Bern, 2009
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