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Erdpigmente
wie Grünerde, gelber
Ocker oder Umbra können aus farbigen
Erden gewonnen werden. Mineralpigmente wie Auripigment,
Azurit, Eisenoxide,
Malachit, Lapislazuli
oder Zinnober gewinnt man durch Mahlen von Mineralien.
Synthetische Pigmente wie Chromoxidgrün,
Cobaltpigmente, Smalte,
Ultramarinblau oder Titandioxid
sind nur künstlich herstellbar. Perlglanzpigmente erhalten ihren metallisch
schillernden Farbeindruck aufgrund des Phänomens der Interferenz
auf hauchdünnen Schichten.
Lapislazuli
(Bild vergrößern)
Zur Herstellung einer Malfarbe werden
die Pigmente mit einem Bindemittel wie Casein
oder Leinöl versetzt. Im Gegensatz zu den
meist wasserlöslichen Farbstoffen sind
Pigmente immer wasserunlöslich und liegen in Form von sehr kleinen
Kristallen vor. Je kleiner diese sind, um so höher ist die Farbstärke
des Pigments. Die Farbstärke ist das Maß für die Fähigkeit
eines Pigments, die Farbe eines anderen Stoffes zu verändern. Die
optimale Kristallgröße liegt zwischen einem Fünfhundertstel
und einem Zweitausendstel Millimeter:
...............
Die
Geschichte der Pigmente (von Sonja Schlabach)
Natürliche anorganische Pigmente sind
schon seit prähistorischen Zeiten geläufig. Eiszeitmenschen erkannten,
dass sie mit unterschiedlichen Erdsorten farbig malen konnten: Eisenoxidhaltige
Erden lieferten gelbrote bis braunrote, Kalk
und Gips weiße, Manganoxide sowie Holz- und Knochenkohle schwarze
Farbtöne. Man geht davon aus, dass die Erdfarben, die sich durch Verwitterungs-
und Ablagerungsvorgänge gebildet haben, von den damals lebenden Menschen
in Höhlennähe und auf Jagdgängen entdeckt wurden. Die klumpigen
Farbmineralien wurden mit fein ausgeschlemmtem Ton vermischt und aufgemalt.
Einen Schutz gegen feuchte Witterung bot das Einreiben mit Tierfett oder
Tran. Dieser Vorgang lässt sich gelegentlich heute im nordeuropäischen
Ländergürtel beobachten.
Pferd
und Auerochse aus Altamira, Foto: T. Seilnacht
Eine der bekanntesten Höhlenmalereien,
Altamira, entdeckte 1879 Marcelino de Sautuola in der spanischen Provinz
Santander. Ähnliche Kunstwerke fand man auch in Südfrankreich,
z. B. in der Höhle von Lascaux bei Montignac in der Dordogne. In über
100 weiteren unterirdischen Hohlräumen entdeckte man Muschelschalen
und Knochennäpfe mit Resten der damals verwendeten Malmaterialien,
die Aufschlüsse über die Lebensweise der Cro-Magnon-Menschen
um den Zeitraum 35000 - 8000 v. Chr. geben konnten.
Die verwendeten Farben wurden jedoch nicht
nur als Malgegenstände eingesetzt. Vielmehr fanden die in den bestimmten
Erden enthaltenen Mineralien wie Aluminium, Eisen und Silicium Verwendung
in der Tierfellverarbeitung als Gerbemittel und zur Konservierung der Haut
in der Lederherstellung. Es ist durchaus denkbar, dass der Einsatz von
Symbolen aus Farbe schon viel früher als die eigentliche Sprache vollzogen
wurde. Der roten Farbe beispielsweise schrieb man
lebenserhaltende Kraft zu, was zur Beigabe von rotem
Ocker bei steinzeitlichen Bestattungen führte. So erklären
sich Funde von ganz in Ockerpuder eingebetteten Skeletten.
Farbigkeit als ein Ausdruck von Emotionen,
Zugehörigkeit und Religion finden wir heute noch bei den Naturvölkern
Afrikas, Neuguineas und Amazoniens. Doch auch in Industriegesellschaften
besitzt Farbe als Symbol eine große Tragweite. Beispielsweise gilt
die Farbe Schwarz in der westeuropäischen Kultur als Zeichen von Trauer.
Gegen 8000 v. Chr. erlosch westlich des
Mittelmeeres die darstellende Kunst der altsteinzeitlichen Jägerkultur.
Dagegen fand man im Osten Zeugnisse einer neuen Lebensweise. Es entstanden
die ersten Siedlungen von Bauern, die ersten Städte bildeten sich,
und die Menschen nutzten nicht nur Höhlen, sondern auch Mauern, Holz
und Keramik als Maluntergrund. Aufgrund des durch grösste Sorgfalt
praktizierten Totenkultes und durch ein weiteres farbliches Ausschmücken
der Repräsentationsbauten des Staates erschienen bei den Ägyptern
durch Ausprobieren und Zufallsbeobachtungen erstmals grüne und blaue
Pigmente. Sie entdeckten, dass sich beim Erwärmen eines Gemisches
aus Quarzsand mit Kalk und einer Kupferverbindung eine blaue Masse bildet,
die sich in Pulverform hervorragend als Pigment verarbeiten Iässt.
Farbenreiber aus
Ägypten
Auf dem selben Wege, nur
unter reduzierenden Bedingungen, entstand als misslungener Versuch
Ägyptisch Grün. Ägyptisch Blau
wurde nun in der Folgezeit zur Bemalung von Fassaden, Wandmalereien, Keramik,
Mumien-Masken und als Schreibmaterial für Papyrus verwendet. Bereits
im 3. Jahrtausend v. Chr. wurde die Verwendung des neuen Pigments über
Zypern und Kreta auf den griechischen Inseln verbreitet. Während der
gesamten Antike war Ägyptisch Blau das fast ausschließlich blaue
Pigment.
In der Zeit um 3000 v. Chr. wurde die
häufige Verwendung von Farben in immer größerer Anzahl
angegeben, sowohl in Ägypten als auch in Babylonien. Die Mal-, Emaillier-,
Glas- und Färbetechniken erreichten ihre ersten Höhepunkte. Die
Sumerer (ca. 3000 - 2500 v. Chr.) gründeten in Babylonien eine Kultur
mit großem Farbenreichtum. Der blaue Halbedelstein Lapislazuli
fand neben anderen Mineralien und Edelsteinen ebenfalls Verwendung. Lapis
wurde überwiegend als Schmuckstein verarbeitet.
Aus ihm stellte man kostbare Statuetten
und Siegel her. Weniger Verwendung fand er als mineralisches Pigment, was
die Bedeutung des Ägyptisch Blaus besonders hervorhebt. Daneben wurden
Gold, Silber und Kupfer verarbeitet. Weitere Farbtöne entstanden,
da man gelernt hatte, die ursprünglichen, reinen Farben zu neuen Nuancen
zu mischen.
In der römischen Epoche kamen wiederum
neue Pigmente hinzu, sowie Farbstoffe pflanzlicher
und tierischer Herkunft. Die vorhandene Farbpalette führte zu einem
regelrechten Farb-Geschäft, von denen einige prunkvolle Wandmalereien,
vor allem aus Pompeji, zeugen. Das Verlangen der Menschen nach schönen
Farben war schon im Altertum die Basis eines wichtigen Handels- und Wirtschaftszweiges.
So exportierte Indien Harze und Balsame, mineralisches Gestein und Pflanzenfarbstoffe
wie Indigo von der Antike her bis in das gesamte
Mittelalter. Besonders durch Händler und Kreuzfahrer gelangten so
im 8. Jahrhundert die Kenntnisse vom Orient ins Abendland und durch die
Araber nach Spanien.
Im 12. Jahrhundert n. Chr. entwickelte
sich Venedig als neuer Umschlagplatz für Farben. Im Vordergrund stand
zwar nunmehr die Textilfärberei mit pflanzlichen oder tierischen Farbstoffen,
dennoch war die Nachfrage nach anorganischen Pigmenten noch vorhanden.
Bis zum 17. Jahrhundert waren keine grundlegenden Veränderungen zu
verzeichnen.
Das Bild zeigt einen Ausschnitt
von Raffaels "Die Schule von Athen". Das Fresko
wurde 1512 vollendet und diente ursprünglich der Ausschmückung
der Gemächer von Papst Julius II. Raffael verwendete eine Großzahl
der damals verfügbaren Pigmente. Im Zentrum des Bildes befinden sich
die beiden griechischen Philosophen Aristoteles und Platon, die im Mittelalter
als die wichtigsten Vertreter der antiken Philosophie galten. Links
im Profil ist Sokrates zu erkennen. Auf den Treppen, zu Füßen
der Philosophen sitzt Diogenes, ein griechischer Naturphilosoph (ganzes
Bild).
Erst der Reichtum einiger Handelshäuser
und die Begegnungen mit anderen Kulturen förderten die Künste,
so dass es viele große Maler des Mittelalters nach Italien zog. Die
Lieferanten der kostbaren Mineralfarben Lapislazuli,
Zinnober, Terra
di Siena, Mennige etc. gaben den Künstlern oft selbst Aufträge,
Gemälde zu erstellen oder ihre Paläste malerisch zu gestalten.
Im Laufe der Jahre, besonders im 17., 18. und 19. Jahrhundert wuchs die
Nachfrage nach Farbstoffen ständig. Die Fürsten stellten für
ihre Höfe und Heere, das wohlhabende Bürgertum für Roben
und Ausstattungen der Wohnungen immer höhere Ansprüche. Viele
zeitgenössische Gemälde hielten diesen Prunk bildlich fest.
Die eigentliche Pigmentindustrie begann
erst im 18. Jahrhundert durch die Entdeckung der Pigmente Berliner
Blau (1704), Scheeles Grün (1778) und Zinkoxid (1785-1800), welches
schon im Mittelalter als Abfallprodukt der Messingherstellung bekannt war
und von diesem Zeitpunkt an als Weißpigment Verwendung fand. Mit
der Entwicklung der Chemie traten auch Farben auf der Basis von Chrom und
Cadmium in den Vordergrund.
Blei-, Cadmium- und
Chrompigmente sind zwar sehr farbstark aber relativ giftig
Im Jahre 1824 setzte ein französischer
Ausschuss einen Preis von 6000 Francs für denjenigen aus, der ein
Verfahren zur künstlichen Herstellung von Ultramarinblau
angeben könne. Ursprünglich verstand man unter Ultramarin den
Halbedelstein Lapislazuli, der zwar ein beständiges
Blau lieferte, aber mit Gold aufgewogen wurde. Die Farbe, die jenseits
des Meeres aus dem vorderen Orient, Indien und Hindukusch kam, konnte tatsächlich
um 1828 erstmals künstlich hergestellt werden. 1834 gründete
Carl Leverkus die erste Ultramarin-Fabrik (Gründer der jetzigen Bayer-Leverkusen-Fabrikation).
Im 20. Jahrhundert wurde mit dem Aufkommen
verfeinerter wissenschaftlicher Methoden und mit der Verbesserung technischer
Verfahren Titandioxid hergestellt (1916). Titandioxid
ist seither das beste und meistverwendete Weißpigment. Die Verdrängung
ursprünglicher und heute fast in Vergessenheit geratener Pigmente
erfolgte durch weitere Entdeckungen anderer synthetischer anorganischer
Farbmittel. Das hatte zur Folge, dass die ursprünglichen Pigmente
weitgehend verdrängt wurden und heute fast vergessen sind.
Links zu anderen Internetseiten:
Pigmente auf der Homepage von Juraj Lipscher:
a)
eigene Herstellung, b)
andere Pigmente
Pigmente
auf der Seite von Volker Emrath
Ausführliche
Infos über Pigmente bei Kremer-Pigmente