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Das heute berühmteste Gemälde
des Impressionismus fiel bei seiner ersten Ausstellung beim Publikum durch,
für uns heute kaum vorstellbar. Monet, Cézanne,
Pissaro, Renoir, Degas und anderen "Impressionisten" veranstalteten im
Jahre 1874 auf eigene Initiative eine Kunstausstellung, nachdem ihre Bilder
bei den offiziellen Kunstausstellungen durchgefallen und nicht angenommen
worden waren. Die Maler ernteten beim Publikum nur Spott und Kritik. Der
Kritiker Louis Leroy beschimpfte Claude Monet als "Impressionisten" (Künstler
des "flüchtigen Augenblicks") und bezichtigte ihn der Oberflächlichkeit.
Zuvor schon waren die Künstler aufgrund ihrer Maltechnik als "Intransigeants"
("Die Eigensinnigen") bezeichnet worden. Nach dieser Ausstellung sprach
jeder nur noch von den "Impressionisten", was anfangs sehr abwertend gemeint
war.
Die Vorgeschichte
Die Kunstauffassung in Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts wurde durch die Kunstschule École des Beaux-Arts ("der Salon") in Paris geprägt. Sie unterstand der absoluten Autorität des Malers Dominique Ingres (1780-1867). Dieser vertrat die Ansicht, dass die Linie in einem Kunstwerk wichtiger als die Form sei. Er verlangte von seinen Schülern genauste Zeichnungen und duldete die Farbe lediglich zur Kolorierung. Die Gegner dieser klassizistischen Auffassung wurden von Eugène Delacroix (1798-1863) angeführt. Für den Romantiker Delacroix war die Farbe wichtiger als die Zeichnung. Er maß dem Gefühl und dem individuellen Ausdruck große Bedeutung bei. Der Streit zwischen Ingres und Delacroix wurde in den meisten Cafés zwischen den Studenten diskutiert. Daneben gab es die sogenannten "Realisten", die durch Gustave Courbet (1813-1877) angeführt wurden. "Seien wir echt, auch wenn wir hässlich sind" war die Devise dieser Strömung.
Es war Edouard Manet (1832-1883), der den endgültigen Bruch mit den Anhängern Ingres vollzog. In leuchtenden Farben gab er der subjektiven Wahrnehmung Vorrang und malte in seinem berühmten Bild "Frühstück im Grünen" (1863) (>Internet) eine nackte Frau inmitten einer Herrengesellschaft, für die damalige Zeit ein schockierendes Motiv. Doch nach wie vor entschied "der Salon" über die Ausstellungsrechte der Bilder und lehnte die meisten Bilder der heute berühmten Maler ab, z. B. auch die von Paul Cézanne. Im Jahre 1863 richtete Napoleon III. eine Gegenausstellung ein, den "Salon des Refusés" (Salon der Abgewiesenen), um den verschmähten Künstlern eine Chance zu geben.
Der ersten Impressionisten-Ausstellung
in Frankreich im Jahre 1874 folgte im April 1876 eine zweite, die wiederum
aus Geldnot der Künstler veranstaltet wurde. Die Kritiker bezeichneten
sie als "Catastrophe", lediglich ein einziger Befürworter, der Zollbeamte
Victor Chocquetes, fand sich ein, der die Bilder der Impressionisten kaufte
und sammelte. Die Maler ließen sich trotz der Misserfolge nicht entmutigen
und malten weiter. Sie fanden erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die
ihnen gebührende Beachtung.
Merkmale und Maltechniken des Impressionismus
Die Motive sind meistens Natureindrücke. Von nahem sind auf einem impressionistischen Gemälde relativ grobe und eher kurze Pinselstriche sichtbar. Erst aus der Entfernung verschwimmen die Farben und erzeugen mit Hilfe des Gehirns des Betrachters einen Eindruck über das Detail. Dadurch wird die Fantasie des Betrachters mit einbezogen, der Schauende nimmt aktiv an der Wirkung eines Bildes teil. Komposition, räumliche Wirkung und Linien treten zurück. Gegenstände und Licht und Schatten werden durch das Spiel von Licht und Farben auf der Oberfläche dargestellt.
"Das impressionistische
Auge ist der menschlichen Entwicklung am weitesten voraus, es ist das Auge,
das die kompliziertesten Verbindungen von Nuancen und Farbtönen erfasst
und wiedergegeben hat... Die Impressionisten gaben die drei großen
Illusionen auf, nach denen sich die akademischen Maler richteten - Linie,
Perspektive und Atelierbeleuchtung. Wo der eine nur die Konturen der Objekte
sieht, sieht der andere die wirklich lebendigen Linien, die sich nicht
aus geometrischen Formen, sondern aus tausend unregelmäßigen
Strichen zusammensetzen, die aus der Entfernung zum Leben erweckt werden.
Wo der eine die Dinge auf Grund seiner theoretischen Komposition perspektivisch
in regelmäßig gestaffelten Ebenen sieht, sieht der andere, wie
die Perspektive aus tausend hingetupften Nuancen und Pinselstrichen und
durch den sich wandelnden Zustand der Atmosphäre geboren wird." (Zitat
des französischen Lyrikers Jules Laforgue)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machten
sich die beiden französischen Maler Georges Seurat (1859-1891) und
Paul Signac (1863-1935) die neu aufkommenden, wissenschaftlichen Farbtheorien,
z. B. von Maxwell, zu Nutze. Sie vermischten die Farben nicht wie üblich,
sondern setzten die Farben unvermischt als kleine Farbpunkte nebeneinander.
Durch subtraktive Farbmischung entstand
z. B. aus blauen und gelben Farbpunkten der Farbeindruck Grün (vgl.
den abgebildeten Ausschnitt von Seurats berühmtem Gemälde "Ein
Sonntagsausflug auf der Grande Jatte" >Internet). Das monumentale Kunstwerk
misst im Original eine Breite von drei Metern. Die beiden "Meister des
Punktes" gehören zur Strömung des sogenannten "Neo-Impressionismus".
Der französische Impressionismus hatte auch einen entscheidenden Einfluss
auf die deutschen Impressionisten wie Max Liebermann, Lovis Corinth oder
Max Slevogt.
| Copyright (Text): T. Seilnacht |