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Einführung in das Farbenprojekt
 
Das Farbenprojekt entstand ursprünglich aus der Idee, im Chemieunterricht Farben selbst herzustellen und im Fach Kunst künstlerisch zu verarbeiten. In der Schule können praktisch alle Farben wie Kreide, Pastell-, Aquarell-, Öl- oder Wachsmalfarben relativ leicht selbst hergestellt werden. Am besten geeignet sind jedoch die Caseinfarben, welche eine Farbintensität zeigen, die durch keine andere Farbe erreicht wird.
 
Ich testete etwa 40 verschiedene Pigmente der Firma Kremer. Dabei ergab sich, dass eine Farbpalette von vier Pigmenten ausreichend ist. Die Palette wird durch Schwarz und Weiß ergänzt. Die folgenden sechs Pigmente lassen sich beliebig mischen und kombinieren, es wird immer eine Farbharmonie erreicht:
 
 
Die vier Grundfarben für das Farbenprojekt
 
 
Name des Pigments
Farbe
Nr. bei Kremer
Eisenoxidrot hell synthetisch
 rostrot
4810 
Eisenoxidgelb synthetisch
ockergelb
4800
Ultramarinblau dunkel
blau
4501
Chromoxidgrün
grün
4420
Zinkweiß bleifrei
weiß
4630
Eisenoxidschwarz synthetisch
schwarz 
4840
 
 
Diese Pigmente sind weitgehend ungiftig. Trotzdem sollten die allgemeinen Vorschriften beim Arbeiten mit Pigmenten beachtet werden. Dabei ist vor allem darauf zu achten, dass keine Stäube im Raum verteilt werden. Flaschen sollten immer geschlossen und die Pigmente dürfen nicht offen herumgetragen werden. Beim Umfüllen größerer Mengen ist ein Staubschutz zu tragen.

Das Fehlen von knalligen, grellen und leuchtenden Rot- und Gelbtönen wird von manchen vielleicht als Mangel empfunden, diese Farben spiegeln ja gewissermaßen die heutige, reizüberflutete Zeit wieder, doch beim Einsatz im Unterricht zeigte sich, dass die Schüler sehr schnell lernen, mit dieser begrenzten Auswahl zurecht zu kommen und Töne, Rhythmen und sogar Klänge mit Hilfe der Farben zu produzieren, wie es die Frauen in Afrika (in dem fantastischen Fotobildband „Die Farben Afrikas“) vorgemacht haben (Literatur: Courtney-Clarke, 1993, >Bestellen bei Amazon.com).
 

 
Caseinbild von Claudia Schweininger (9. Klasse)
 
In der Folgezeit wurde das Farbenprojekt zu einem Selbstläufer. Der Kollege vom Fach Kunst ließ sich genauso wie die Schüler begeistern. Dadurch kam eine Fülle an neuen Ideen und Anregungen hinzu. Schüler zauberten durch einfache Abbindetechniken beim Färben von Seidentüchern zickzackförmige Schlangenlinien, strahlende Sonnen, feine Farbschattierungen, raffinierte Überfärbungen und transparente Farbverwaschungen auf die Seide. Ich nahm mit Hermann Fischer von der Firma Auro bereits vor einigen Jahren Kontakt auf und erhielt von ihm mehrfach wertvolle Anregungen. Die Exkursion zur Firma Auro ist auf dieser Homepage ausführlich dokumentiert.
 
Das Farbenprojekt ist heute zu einer festen Institution an der Realschule Mühlheim (>Internet) geworden. Die Fächer Chemie und Kunst werden nicht nur fächerverbindend, sondern fast nahtlos ineinander übergehend unterrichtet. Für alle bisher durchgeführten Projekte ließen wir einen Ordner als naturwissenschaftliche, künstlerische Dokumentation anfertigen, welche die Schüler am Ende des Schuljahres abgaben. Auf Klassenarbeiten verzichteten wir im Rahmen des Farbenprojekts, welches sich über ein Schulhalbjahr erstreckte, völlig. Für das Anlegen des Ordners entwarfen wir ein Kriterienkatalog (>Download). Die Dokumentationen wurden generell in Gruppenarbeit erstellt und umfassten oft mehr als 100 Seiten. Die Schülerarbeiten können auch mit einem Testat honoriert werden.
 
 
Filmproduktion „Die Farbe Blau“ mit dem Südwestfunk
 
Im folgenden werden zwölf Bausteine des Farbenprojekts vorgestellt, die einzeln oder in verschiedenen Kombinationen unterrichtet werden können. Es wäre denkbar, dass die Schüler mehrere Themen aus dem Angebot selbst auswählen. Die pädagogisch-didaktischen Überlegungen am Ende dieser Dokumentation geben einen vertiefenden Einblick in die pädagogischen Kerngedanken. Parallel begleitend finden sie auf der Homepage ein umfangreiches Lexikon mit Stichworten zum Thema. Das Lexikon liegt auch als Wordversion vor (Download). Der Einsatz des Online-Lexikons und seiner Wordversion ist sehr vielfältig: Für jede der zwölf Bausteine werden ein paar Arbeitsaufträge am unteren Ende der jeweiligen Seite genannt. Sie stellen eine Hilfe für die Schüler dar, wie sie ihre Dokumentationen gestalten können. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Schüler mit dem Selbstbeschaffen von Informationen noch große Schwierigkeiten haben. Doch gerade dies ist in einem modernen Unterricht zu fordern, damit sie lernen, ihre eigenen Lernprozesse zu organisieren. Drei ausgewählte und ausführlich dokumentierte Exkursionen zu Farbenbetrieben ermöglichen einen Online-Einblick in das Gewerbe der Farbstoffe und Pigmente. Hierbei wurde bewusst auf die Darstellung von Großunternehmen der modernen Textil- und Farbstoffindustrie verzichtet, da dort die Erfassung der unmittelbaren Prozesse nicht mehr gewährleistet ist. Im Literaturverzeichnis finden Sie empfehlenswerte Bücher zum Thema Farbstoffe und Pigmente. Im Webmuseum werden die besten Schülerarbeiten vorgestellt.
 
 
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