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Eigenschaften
Bindemittel sind Stoffe, die andere Stoffe
mit feinem Zerteilungsgrad auf einer Unterlage verkleben. Zur Herstellung
einer Farbe wird ein Pigment mit einem Bindemittel
verrührt und nach dessen Erstarrung auf einem Malgrund festgehalten.
Je nach Anwendungsgebiet und Farbe werden unterschiedliche Bindemittel
eingesetzt. Das Bild verdeutlicht die Herstellung einer Ölfarbe aus
Ultramarinblau und Leinöl.
Pigment
+ Leinöl = Ölfarbe
Die Geschichte der Bindemittel
1. Gummi und
Aquarellmalerei
Baumharze gelten als die ältesten,
bekannten Bindemittel. Traganthgummi wurde bereits von den alten Ägyptern
verwendet. Der in Persien, Kleinasien, Griechenland und Südamerika
beheimatete Strauch und Schmetterlingsblütler Astragalus wird
an seiner Rinde aufgeschnitten, worauf ein zähflüssiger Saft
ausfließt. Dieser erstarrt in wenigen Tagen zu einem Harz, welches
in groben Stücken oder als feines Pulver gehandelt wird. Das
aus einer Akazienart gewonnene Gummi Arabicum wurde schon vor über
4000 Jahren mit Wasser und mit Pigmenten vermischt. Noch heute ist Gummi
Arabicum das wichtigste Bindemittel für Aquarellfarben.
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Eine Vorstufe der Aquarellmalerei stellten
die berühmten Buchmalereien der Gebrüder Limburg dar. Die "Stundenbücher"
(Les Très Riches Heures) enthielten 206 farbige Abbildungen wie
die 12 berühmten Monatsbilder oder biblische Darstellungen. Die Pigmente
- vorzugsweise Lapislazuli und Blattgold - wurden
mit Wasser und Leim vermischt. Bekannte Aquarellmaler der Folgezeit waren
Albrecht Dürer (1471-1528), John Constable (1776-1877), J.M.W. Turner
(1775-1851), Paul Cézanne (1839-1906),
August Macke (1887-1914) und Emil Nolde (1867-1956).
Dürer fertigte mehrere Naturstudien an, die sich durch eine sehr hohe
Detailtreue auszeichneten.
2. Freskotechnik
Die Technik der Freskomalerei kam bereits
in der Antike vor. Sie wurde durch die großen italienischen Meister
aus Florenz Giotto di Bondone (ca. 1267-1337) und Masaccio (1401-1428)
angewandt und erneuert. Die Freskotechnik benutzt den noch feuchten Verputz
zum Binden von Pigmenten. Auf eine Mauer wird
zuerst eine Mörtelschicht aus Sand und Kalk aufgetragen, die mit einem
feuchten Verputz aus den gleichen Materialien versehen wird (ital. arriccio).
Auf diese zweite Schicht trägt der Freskomaler die Vorzeichnung auf
(ital. sinopia). Darüber kommt nochmals eine Schicht aus Sand oder
Marmorstaub und feinem Kalk (ital. intonaco).
Die Pigmente werden mit Wasser verrührt
und direkt auf die oberste Schicht aufgetragen. Der Maler muss schnell
arbeiten, denn sobald die oberste Verputzschicht trocken ist, besteht die
Gefahr, dass die Pigmente nachdunkeln. Beim Trocknen des Verputzes entstehen
Kristalle, die mit dem vermalten Pigment eine dauerhafte, chemische Bindung
eingehen. Dabei ist zu beachten, dass die Farben beim Trocknen des Verputzes
aufhellen.
Das Fresko "Beweinung
Christi" (>Internet) befindet sich in der Arenakapelle von Padua. Giotto
hatte mehrere Gehilfen angestellt, die die Pigmente
in Schalen mit Wasser nach genauen Mengenangaben mischten. Dadurch war
gewährleistet, dass die folgenden Farbtöne nach dem Trocknen
einer Schicht mit den vorhergehenden identisch waren. Die Figuren auf dem
Wandgemälde wurden vorwiegend mit Erdfarben
gemalt, wie sie in der Toskana noch heute vorkommen. Ein
weiterer Höhepunkt in der Freskomalerei stellen die Fresken in der
Sixtinischen Kapelle im Vatikanstaat dar. Sie wurden von dem italienischen
Meister Michelangelo (1475-1564) angefertigt.
3. Eitempera
Die Maler der italienischen Renaissance
(13. - 15. Jahrhundert) und deren Vertreter wie Fra Ancelico (1400-1455)
und Piero della Francesca (1420-1492) vermischten rohe Eier oder Eigelb
mit Pigmenten. Die Proteine (Eiweiße)
härten an der Luft aus und verfestigen das Pigment. Der Nachteil der
Temperafarben besteht darin, dass sie schnell trocknen, einschrumpfen und
rissig werden. Ein weiteres eiweißhaltiges Bindemittel war das aus
Milch gewonnene Casein, welches schon die Römer
zum Anstreichen von Wänden benutzten.
4. Ölmalerei
Bei der Ölmaltechnik werden langsam
trocknende Öle wie Leinöl oder Walnussöl
mit Pigmenten vermischt. Die Ölfarben trocknen
ohne Risse und lassen sich in dünnen Schichten - auch übereinander
- vermalen. Dadurch entwickeln sie eine Leuchtkraft wie sie mit Temperafarben
nicht erzielt werden können. Ölmalfarben eignen sich hervorragend
zur Darstellung von Licht und Schatten (vgl. die Gemälde Caravaggios
und Rembrandts). Sie trocknen langsam und die Farben können fein abgestimmt
werden. Ölfarben werden mit Terpentin verdünnt. Zur Beschleunigung
der Trocknung fügt man sogenannte "Sikkative" (=Trocknungsbeschleuniger)
wie Kopal- oder Dammarharz hinzu. Das heutige Dammarharz stammt
aus Sumatra, wo es durch das Anritzen von Bäumen von den Einheimischen
gewonnen wird. Kopalharze finden sich als fossile Harze von ehemaligen
Bäumen (Caesalpiniaceen) z. B. in den Böden Südostafrikas.
Die Technik der Ölmalerei wurde von
dem großen flämischen Meister Jan van Eyck (1395-1491) zur Vollkommenheit
gebracht. Van Eyck trug die Farbe in feinen Pinselstrichen auf und erreichte
eine sehr hohe Detailtreue. Große Ölmaler der Folgezeit waren
Leonardo da Vinci (1452-1519), Tizian (1485-1576), Peter Paul Rubens (1577-1640)
und Rembrandt (1606-1669).
5. Acrylmalerei
Im 20. Jahrhundert wurde speziell für
den Bedarf der Maler ein neues Bindemittel entwickelt, welches unter allen
Malmitteln die besten Eigenschaften aufweist. Acrylfarbe besteht im wesentlichen
aus Pigmenten und Acrylharz, das durch eine
Polymerisation von Acrylsäure, einem Erdölprodukt, gewonnen werden
kann. Acrylharze sind klare, wasserfeste und dem Plexiglas ähnliche
Kunststoffe mit stark klebenden Eigenschaften. Sie können vor dem
Aushärten beliebig mit Wasser verdünnt werden. Sie verändern
sich im Laufe der Zeit nicht und garantieren eine maximale Leuchtkraft
der Pigmente. Die leuchtenden Farben wurden z. B. von den Künstlern
der Pop-Art für schrille Farbdarstellungen verwendet.
Polymerisation von
Acrylsäure zu Polyacrylsäure
Übersicht über
heute verwendete Bindemittel
Wasserlösliche Bindemittel
| Casein |
wichtigster Eiweißbestandteil
der Milch, dient mit gelöschtem Kalk zur Herstellung von Caseinfarben |
| Dextrin |
kann durch Säurebehandlung und Rösten
aus Kartoffel- oder Maisstärke gewonnen werden, das Bindemittel ist
wie die Stärke aus vielen aneinanderhängenden Traubenzuckermolekülen
aufgebaut und ist ein wichtiges Bindemittel für Aquarellfarben |
| gelöschter
Kalk |
wird durch das Brennen von Kalk und nachträglichem
„Ablöschen“ mit Wasser gewonnen, beim Vermischen mit einem Pigment,
z.B. mit Titandioxid erhält man eine weiße
Wandfarbe. Im Laufe der Zeit wandelt sich der gelöschte Kalk (Calciumhydroxid)
unter Kohlendioxidaufnahme in harten Kalk (Calciumcarbonat) um. |
Ölige Bindemittel
| Leinöl |
aus Leinsamen durch Extraktion
und Kaltpressung gewonnenes pflanzliches Öl, welches einen hohen Anteil
an ungesättigten Fettsäuren enthält. Diese oxidieren an
der Luft und polymerisieren zu einem festen Harz. Leinöl ist das wichtigste
Bindemittel für Ölfarben und wasserlösliche
Lacke. |
Harzige Bindemittel
| Gummi Arabicum |
gelbliches, durchsichtiges
Harz, welches aus einer Akazienart gewonnen wird. Es dient zur Herstellung
von Klebstoffen und ist neben Dextrin das wichtigste Bindemittel für
Aquarellfarben. |
Ölfreie Lacke
| Heute spielen die oben genannten Bindemittel
bei der Herstellung von Farben und Lacken nur noch eine untergeordnete
Rolle. Autolacke bestehen oft aus Nitrocelluloselacken. Zur Herstellung
wird cellulosehaltiges Material wie Baumwolle mit Salpetersäure
und Schwefelsäure zu Nitrocellulose
nitriert. Diese findet als Sprühlack in einer Mischung aus Harzen,
Lösungsmitteln, Weichmachern und Pigmenten Anwendung und zeichnet
sich durch eine außerordentlich schnelle Trocknungszeit aus. |
Kunstharzlacke
| Lacke auf Kunstharzbasis werden aus Erdölprodukten
gewonnen und enthalten Alkydharze, welche durch das Erhitzen von Glycerin,
einem mehrwertigen Alkohol, und Phthalsäureanhydrid erhalten werden.
Das anfangs flüssige Stoffgemisch erstarrt allmählich in einer
Polykondensationsreaktion zu einer festen und glasklaren Masse (s.u.).
Durch Zusatz von ungesättigten Fettsäuren wie Linolensäure
erhält man Alkydharze. Derartige Lackanstriche eignen sich aufgrund
ihrer hohen Elastizität und Haltbarkeit für Autokarosserien,
Möbel, Fenster und Türen. |
Aus Glycerin und
Phthalsäureanhydrid gewonnenes,
vernetztes Molekül
(Plast aus der Gruppe der Polyester)