Es wundert also nicht, wenn Kälte,
Hektik, Gewaltsamkeit, Monotonie, Isoliertheit und Ausdruckslosigkeit von
unseren "modernen" Wänden ausstrahlen. Die Unwirtlichkeit unserer
Wohnungen wird von unseren Wandoberflächen als materialisierten Kulturphänomenen
entscheidend verursacht. Sie wirkt darüber hinaus auf uns als leib-seelische
Verstärkung und Zementierung dieser Tendenzen zurück.
Wandlasur-Pflanzenfarben sind in diesem
Sinne ein Ausdruck des Strebens nach einer neuen Wahrnehmungskultur und
nach Wohngesundheit für den Menschen als Ganzheit. Im Hinblick auf
die genannten Phänomene sind sie "antizyklisch", indem sie Verlebendigung,
Souveränität, Harmonie, Gestaltreichtum und Verbindlichkeit in
unsere unmittelbare Umgebung tragen und so auf dem Weg über die Wahrnehmung
des Bewohners zur Auflösung von kulturellen Verhärtungstendenzen
beitragen.
a)
Allgemeines
Zur lasierenden Verarbeitung von Pflanzenfarbpigmenten
bedarf es eines besonderen Untergrundes, der die speziellen Eigenschaften
und Bedürfnisse der Pigmente und des Lasur-Bindemittels
berücksichtigt. Die Untergrundvorbereitung bestimmt daher wesentlich
die Qualität und Haltbarkeit der nachfolgenden, eigentlichen Farbgestaltung.
In der Auswahl eines sehr hochwertigen
Untergrundmaterials und dessen sorgfältiger Verarbeitung knüpft
die Pflanzenfarben-Lasurtechnik an die handwerklich-künstlerisch hochstehenden
Traditionen der Malkunst im Ausgang des Mittelalters und dem Beginn der
Neuzeit an (z.B. in der Sieneser Schule), bei denen die geduldige Präparierung
des Malgrundes nahezu kultischen Charakter hatte. Die AURO-Natur-Caseinfarbe
erleichtert als anwendungsfertiges, prolemlos verarbeitbares Produkt diese
Arbeit ganz wesentlich; allerdings empfiehlt es sich auch hier, den mit
diesem Produkt hergestellten Untergrund nach der Fertigstellung einige
Tage "reifen" zu lassen.
b)
Zusammensetzung und Eigenschaften
Die Zusammensetzung der AURO Caseinfarbe
ist ganz auf deren Trägerfunktion für eine nachfolgende Pflanzenfarben-Lasur
abgestellt. Folgende Eigenschaften müssen gewährleistet sein:
Vollkommene chemische Neutralität, Waschbeständigkeit, gutes
Deckvermögen, sehr hoher Weißgrad, sehr hohes optisches Reflexionsvermögen;
definierte, mittlere Werte für Mikro-Rauhigkeit, Saugvermögen
der Oberfläche und Glanzgrad, hohes Dampfdiffusionsvermögen,
möglichst gute Benetzbarkeit bei geringer Oberflächenspannung.
Jeder Inhaltsstoff trägt auf seine Weise zum Erreichen dieser Anforderung
bei. Dies soll hier an einigen Beispielen von Inhaltsstoffen der AURO Natur-Caseinfarbe
näher erläutert werden:
Pigmente
Als Weißpigment
wird ausschließlich das Mineral Rutil (Titandioxid,
hergestellt nach Verfahren mit Dünnsäure-Recycling) in extrem
feinkristalliner, sehr reiner Form verwendet. Rutil ist äußerst
schwerlöslich, chemisch völlig neutral und besitzt eine sehr
hohe Brechkraft für Licht. Seine chemische Verwandtschaft zur Tonerde
(ebenfalls ein Leichtmetall-Oxid) sowie das Verhältnis der Brechungs-Indizes
beider Oxide bewirken ein ideales Zusammenspiel zwischen Rutil als Weißpigment
und Tonerde als Substrat der Pflanzenfarben-Pigmente: Während das
Rutil den Untergrund ganz auf die Reflektion des einfallenden Lichts hinsteigert,
ist die Tonerde mit ihrer Transparenz ganz auf Lichtdurchlässigkeit
und -tingierung ausgerichtet (s. unten). Es kommen weder schwermetallhaltige
(Bleiweiß, Zinkweiß) noch potentiell alkalische Pigmente (Kreide,
Calcit) oder gar Verschnittmittel (Schwerspat) zum Einsatz.
Füllstoffe
Durch die Verwendung nur eines Weißträgers
wird die sorgsame Auswahl der begleitenden natürlichen Füllstoffe
besonders bedeutsam. Hier kommen in der Caseinfarbe reine Buchenholzzellulose
mit bestimmter Fasergestalt und -größe, hochfeines und sehr
weißes Talkum in Arzneibuchqualität (asbestfrei) sowie spezielle,
quellfähige, feinstgemahlene Tonmineralien zum Einsatz. Sie geben
der Oberfläche gerade jenes mittlere Maß zwischen zu hoher Glätte
und zu großer Rauhigkeit, zwischen Dichtheit und Saugvermögen,
das für die anschließende Lasur optimal ist. Auch alle Füllstoffe
sind natürlich chemisch vollkommen neutral und wasserunlöslich.
Bindemittel
Das Bindemittel
der Natur-Caseinfarbe hat die Aufgabe, die Teilchen des Weißpigmentes
und der Füllstoffe am Untergrund und untereinander fest, d.h. waschbeständig,
zu verkleben. Die Hauptaufgabe dabei übernimmt, wie der Name schon
sagt, Casein, also Milcheiweiß. Wir setzen
dafür nur Caseinsorten ein, die nachweislich schonend und ohne Denaturierung
gewonnen werden.
Casein als alleiniges Bindemittel gäbe
zwar eine hervorragend waschbeständige Weißfarbe, die jedoch
eine viel zu hohe Spannung hätte. Man kann diese "spannende" Eigenschaft
von Eiweiß selbst erleben, wenn man etwas frisches Hühnerei-Eiweiß
dünn auf den Handrücken aufträgt: Beim Trocknen zieht sich
die Haut durch den schrumpfenden Eiweißfilm zusammen. In der Praxis
hieße das: die Tapete, auf die ich gewöhnlich die Caseinfarbe
auftrage, käme unweigerlich an den Nähten hoch.
Ein weiterer Nachteil von reinem Casein
als Bindemittel wäre die zu glatte, zu wenig
"klebrige" Oberfläche des Caseinfarben-Anstrichs - ungünstig
für die Haftfestigkeit der folgenden Lasurschichten. Um die Oberfläche
griffiger und gleichzeitg spannungsärmer zu machen, wird als weiteres
Bindemittel reines, ungebleichtes Bienenwachs norddeutscher Provenienz
eingesetzt. Streng genommen haben wir es deswegen nicht mehr mit einer
reinen Caseinfarbe zu tun, sondern im maltechnischen Sinne mit einer Eiweiß-Wachs-Tempera,
die es in ähnlicher Form auch in früheren Zeiten schon gegeben
hat.
Die Aufgaben des Bienenwaches werden ergänzt
durch die Beigabe ausgewählter, wertvoller Laub- und Nadelbaumharze
und trocknender Pflanzenöle in Form einer Harzöl-Emulsion. Auf
diese Weise wird die Rezeptur eigentlich zu einer Casein/Wachs-Harz-Öl-Tempera.
Die pflanzlichen Edelharze verbessern
quasi als "Nebeneffekt" noch wegen der in ihnen enthaltenen etherischen
Öle die Haltbarkeit der fertigen Farbe so weitgehend, dass sich die
Beigabe von Konservierungsmitteln erübrigt. Nach dem gleichen Prinzip
wurden übrigens in Äygypten schon vor 3.000 Jahren Mumien konserviert:
Man spricht regelrecht von "Einbalsamieren" (Balsam = das rohe Baumharz,
das z.B. bei Verletzungen austritt und auch dort eine "konservierende"
fäulnishemmende Wirkung im Sinne einer "neuen Haut" anstelle der Rinde
entfaltet).
Nun ist auch die Notwendigkeit des mehrtägigen
"Reifenlassens" der Caseinfarbe verständlich: es dauert eben eine
gewisse Zeit, bis das Casein, im "kalten Fluss" aus der Emulsion wiederentstehend,
ausreichend "verhornt" ist.
c)
Untergrundvorbereitung
Für die Pflanzenfarben als organische
Materialien ist ebenfalls organischer Untergrund ideal. Die beschriebene
Caseinfarbe stellt einen solchen Untergrund dar. Dennoch ist es möglich,
dass z.B. aus frischem Putz alkalische Stoffe die Caseinfarbe durchwandern
und die Pflanzenfarben angreifen. Im Zweifelsfall ist es daher immer angezeigt,
ein rein organisches Medium zwischen die Wand und den Caseingrund zu bringen.
Am einfachsten und preiswertesten geschieht
das durch Tapezieren der Wand bzw. Decke mit einer Rauhfasertapete mittlerer
Körnigkeit. Aus Gründen der Spannungsarmut ist hier einer echten
Einschicht-Rauhfaser (QUEGA) den Vorzug zu geben, die zudem noch ohne synthetische
Stoffe geleimt ist. Auch ein einfaches Makulaturpapier kann diesen Dienst
erfüllen. In der Regel genügt für das Verkleben dieser Tapeten
der einfache Zellulosekleister (AURO Nr. 389), jedoch sollte sorgsam auf
ausreichende Kleisterbeschichtung besonders im Nahtbereich geachtet werden.
Eine Verbesserung der Klebeeigenschaften lässt sich erzielen, wenn
man in den fertig angesetzten Zellulosekleister noch ca. 10% AURO Korkkleber
(Nr. 381) gleichmäßig einrührt.
Die Tapete muss vor der Weiterarbeit gut
austrocknen. Durch eine zu rasche Beschichtung würde man das Ausdampfen
der Restfeuchte nur verzögern und den gewonnenen Zeitvorteil durch
eine merkliche Verlängerung der "Reifungszeit" der Caseinfarbe mehr
als aufzehren.
Die Caseinfarbe selbst wird nach dem Trocknen
der Tapete zwei- bis dreimal nach Maßgabe der anwendungstechnischen
Empfehlungen aufgetragen, am einfachsten mit dem Lammfellroller.
Pflanzen-Lasurfarbe
a) Farbstoffe
Nahezu alle Pflanzen enthalten in irgendeiner
Form farbige Substanzen. Darüberhinaus sind diese Farbstoffe
in aller Regel in mehr als einem Pflanzenteil (Wurzel, Stengel, Blatt,
Blüte, Frucht) enthalten, wenn auch meist in einem bestimmten Teil
in besonders hoher Konzentration (z.B. Alizarin in der Wurzel der Krapppflanze,
rubia tinctoria).
Die Farbstoffe
sind in der Pflanze zumeist in irgendeiner Form gebunden und stehen daher
zum Malen nicht unmittelbar zur Verfügung. Die Kunst des Pflanzenchemikers
besteht nun darin, den Farbstoff in aufeinanderfolgenden Schritten zunächst
aus seiner Gebundenheit zu lösen, dann aber schließlich wieder
neu zu binden. (Die Alchemisten sprachen von "solve et coagula" =
löse und binde!).
Dies hat folgenden Grund. Die aus der
Pflanze (mit Hilfe von Wasser und Salzen) extrahierten Farbstoffe bleiben
im Extraktionsmittel völlig gelöst. Sie befinden sich nach der
Extraktion also im Zustand einer Tinte ("Tinktur"). Mit einer Tinte kann
man zwar färben ("tingieren"), aber niemals schichtend lasieren. Wo
kein physisches Farbkorn ist, sondern nur gelöste Farbsubstanz (Moleküle),
kann man keine übereinanderliegenden Schichten bilden; Tinten fließen
in- und durcheinander. Der Name "Lasur" kommt ja vom (blauen) "Lasurstein",
dem Lapislazuli, d.h. natürlichem Ultramarin.
Das ist ein wasserlösliches, farbiges Mineral, in feingeriebenen Zustand
ein blaues Farbpigment mit wunderbar lasierenden
(durchscheinenlassenden) Eigenschaften.
Oft sind Farbpigmente so extrem fein vermahlen
(heute auf Farbreibmühlen, früher auf dem Reibstein), dass sie,
in Wasser aufgeschlämmt, von einer Tinte kaum zu unterscheiden sind.
Eine einfache Unterscheidungsmöglichkeit besteht darin, die farbige
Lösung durch ein feinporiges Filtertuch oder -papier zu gießen:
Pigmente werden zurückgehalten, Tinten laufen ungehindert durch.
Die Gewinnung der Tinktur ist bei allen
Pflanzenfarbtönen unterschiedlich. Der Prozess kann so einfach sein
wie das Kochen von Tee (z.B. bei Reseda), er kann
aber auch sehr komplizierte Aufbereitungsschritte, etwa langwierige Fermentationen
(z.B. bei Krapp) erfordern.
Alle Parameter können Ton, Ausbeute
und Qualität der späteren Pflanzenfarbe beeinflussen: bei welcher
Temperatur extrahiert wird, wie lange, ob mit oder ohne Rühren, bei
welchem pH-Wert, mit welchen Salzzusätzen
in welchen Konzentrationen, ob heiß oder nach Abkühlen filtriert
wird, usw.. Alle diese Verfahrensschritte bedürfen großer Erfahrung
und Aufmerksamkeit, nicht alle Einflussfaktoren lassen sich mit Geräten
messen; jeder Pflanzenjahrgang hat seinen eigenen Charakter, auf den man
mit viel Fingerspitzengefühl reagieren muss. Die Erforschung und Entwicklung
dieser Prozesse steht nach wie vor noch ganz am Anfang.
b)
Pigmentbildung
Zum Schritt des "Lösens", d.h. zur
Bildung der Tinktur, muss der Pflanzenchemiker den Farbstoff
in der Regel etwas "aus dem Gleichgewicht bringen". Die Extraktionslösungen
sind daher meist leicht sauer oder leicht alkalisch.
Die Gewinnung des Pigmentkorns ist daher
immer auch ein Schritt der Rückführung aus diesem Extrem in die
(chemisch-physikalische) Mitte, ein Schritt der "Neutralisierung". Dies
Wiedergewinnen der "Mitte" wird beim entsprechenden Prozess konkret sinnlich
erlebbar. Aus der durchscheinenden Tinktur, die oft noch eine wenig klare,
fluoreszierende Farbigkeit besitzt, ersteht bei fortschreitender Neutralisierung
unter starker Farbauflichtung und -verstärkung zunächst eine
leichte, milchige Trübung, bis unter immerwährender Steigerung
der Farbqualität das feinste farbige Pigment
entsteht, zunächst noch ganz wolkig-gallertig, dann langsam am Boden
des Gefäßes absetzend. Damit ist das erneute "Binden" nach dem
"Lösen" bewerkstelligt.
Welcher Art ist nun dieses Pigment? Es
entsteht dadurch, dass entweder in der Tinktur selbst oder im Neutralisationsmittel
ein Salz des Aluminiums anwesend ist. Bei der Neutralisation
bildet sich infolgedessen gleichzeitig in feinen Kristallen der mineralische
Stoff "Tonerde" (chemisch: Aluminium-Hydroxid).

Tonerde also ist der Träger, an den
der pflanzliche Farbstoff gebunden ist. Tonerde
bringt für diese Aufgabe einer selbstlosen Trägerschaft ideale
Voraussetzungen mit. Sie ist absolut farblos, vollkommen transparent und
chemisch völlig neutral. Diese chemische Neutralität ist jedoch
nicht einfach starr fixiert, sondern sowohl in Richtung des Basischen als
auch in Richtung des Sauren offen (Tonerde ist "amphoter") und damit als
Träger für alle Farbstoffe geeignet, gleichgültig, ob diese
selbst eine saure oder alkalische Tendenz besitzen.
Zusammen mit seinem extrem hohen Wasserbindevermögen
ist die tragende Tonerde eigentlich das denkbar beste "Medium" für
die "Botschaft Pflanzenfarbe", da sie sich selbst aller Eigentendenzen
enthält und sich so ganz dem jeweil gebundenen Farbstoff hingeben
kann.
Es ist aufschlussreich, dass sich mit
diesem Phänomen der Trägerschaft pflanzlicher (Farb-)substanz
durch die Tonerde der Kreis wieder schließt: Auch die Pflanze, der
wir den Farbstoff entzogen haben, war einmal getragen von der Tonerde,
die bekanntlich den wesentlichen mineralischen Bestandteil des Humus darstellt.
Tonerde zeigt damit geologisch, physikalisch und chemisch die Signatur
der aus den Extremen zur Ruhe gekommenen Mitte, die wirklich etwas zu "tragen"
imstande ist.
Physikalisch gesehen befindet sich der
pflanzliche Farbstoff in adsorbierter Form als äußerst dünner
Film auf den Oberflächen der Tonerde-Kristalle. Tonerde und Film sind
völlig durchsichtig, so dass der Charakter eines farbigen, transparenten
Kristalls entsteht. Es ist eine merkwürdige Analogie darin zu sehen,
dass viele der uns bekannten Edelsteine, die uns mit ihrer farbigen Durchsichtigkeit
erfreuen, aus "Tonerde" (Aluminium-Oxid) bestehen! Die Farbigkeit stammt
dabei jedoch von Spuren von bestimmten Metallen, die in dem Tonerde-Kristall
eingebettet sind (z.B. Rubin, Saphir, Smaragd). So ist es eigentlich nicht
übertrieben zu sagen, dass wir mit dem Pflanzenfarben-Pigment eigentlich
eine Art "organischen Edelstein" vor uns haben, vielleicht ein Modell für
noch ganz andere Aufgaben, An-Organisches einmal wieder ins Organische
zu verwandeln.
c) Bindemittel
Würde man nun das mit den oben geschilderten
Methoden gewonnene Farbpigment einfach auf den
Caseingrund auftragen, so würde es nach dem
Abdunsten des Wassers einfach von der Wand heruntergewischt werden können.
Erst das geeignete Bindemittel verleiht der Farbe die Lasurfähigkeit,
indem es die Pigmente jeder einzelnen Farbschicht unlösbar untereinander
und an der jeweils darunterliegenden Schicht bindet. Gleichzeitig sollte
es jedoch möglichst wenig Eigenfarbe besitzen, damit die Pigmentfarbe
nicht verfälscht wird. Der Brechungsindex des Bindemittels
sollte dem Brechungsindex des Lasurpigmentes möglichst ähnlich
sein, damit diese beiden gegenüber dem ein- und ausfallenden Licht
als eine optische Einheit, als homogener, in sich nicht reflektierender
farbiger Film wirkt.

Das Bindemittel in der AURO Wandlasur-Pflanzenfarbe
erfüllt diese Anforderungen. Es tritt auch in Gestalt einer Emulsion
aus Wasser, Pflanzenschleimen, Harzen, Wachsen und Ölen. Aus diesem
Grund ist die Lasurfarbe vor der Verarbeitung an der Wand auch ziemlich
milchig und unscheinbar; erst auf dem Untergrund "bricht" diese Emulsion
und setzt die transparenten Bindemittel und Pigmente frei. Bei dieser Freisetzung
wird jedes einzelne Pigmentkörnchen (so fein, dass man es mit dem
bloßen Auge nicht erkennt) vollkommen von Bindemittel "eingekleidet"
und dadurch auch geschützt.
Wirkung
a)
Physikalisches
Eine mit Pflanzenfarben lasierte Wand
macht auf den unbefangenen Betrachter einen eigentümlichen Eindruck.
Mancher empfindet es, als ob die Farbe ein paar Zentimeter von der Wand
stände. Die bewegte Lebendigkeit wird von vielen zunächst fast
schockhaft empfunden, so sehr haben wir uns schon an die toten Flächen
unserer Umgebung gewöhnt.
Der wichtigste physikalische Grund für
diese Empfindung liegt darin, dass die Wandlasur-Pflanzenfarben sich völlig
anders zum Licht verhalten als die herkömmlichen, deckenden Anstriche
und Beschichtungen:
