Fünf Fachbegriffe kann man für
das Begriffsgebäude der Chemie als fundamental ansehen:
1. Der Begriff ›chemische Reaktion‹
Wesentliche Bestimmungen des Begriffs:
2. Der Begriff ›chemisches Element‹
Es existieren 3 Bedeutungen des chemischen
Elementbegriffs; d.h. es sind im chemischen Zusammenhang (mindestens) 3
Sprachgebräuche üblich:
1. Element und Verbindung:
Diese Bedeutung geht auf Robert Boyle
zurück: Ein Element ist ein Stoff, der nicht weiter in zwei oder mehr
andere Stoffe zerlegt werden kann.
2. Element (auf das "principe" von Lavoisier
zurückgehend):
Ein Element ist dasjenige, was bei einer
chemischen Stoffumwandlung erhalten bleibt. Es ist Träger der Masse
und bei Lavoisier eigenschaftsverleihend, z.B. das "principe oxygènique".
3. ›Element‹ und ›Atom‹ wird gleichgesetzt:
Bei diesem Sprachgebrauch sind ›elementare
Stoffe‹ gemeint, d.h. Stoffe, die aus nur einer Atomart zusammengesetzt
sind, aber ›Element‹ steht in diesem Sprachgebrauch nicht wie bei 1. auf
der Ebene von ›Stoff‹.
Alle drei Sprachgebräuche werden
meist (ohne Vorwarnung) nebeneinander verwendet. Der
von der IUPAC empfohlene, dritte Sprachgebrauch macht den Elementbegriff
eigentlich entbehrlich. Streng genommen müsste man bei ausschließlicher
Anwendung dieses Sprachgebrauchs vom ›Periodischen System der elementaren
Stoffe und Atomsorten‹ sprechen.
Atome sind durch wesentliche Bestimmungen gekennzeichnet:
Betrachten wir zunächst die DIN-Norm
32629 Stoffportion (Nov. 1988), Seite 4: "Zwei
Stoffe sind einander gleich, wenn sie in allen „stofflichen“ Eigenschaften
übereinstimmen." Also sind z.B. Graphit und Diamant zwei verschiedene
Stoffe, und es gilt, dass im Stoff Eisensulfid die Stoffe Eisen und Schwefel
nicht mehr vorhanden sind.
Erst von einer größeren Anzahl
der Bausteine an werden die stofflichen Eigenschaften unabhängig von
der „Größe“ des Gegenstands. Von dieser nicht scharfen Grenze
an ist die Verwendung des Stoffbegriffs erst eindeutig.
Der pragmatischer Stoffbegriff orientiert
sich an der Praxis im Labor (zeitweilig IUPAC-Empfehlung): Ein
Stoff wird durch seine Umwandlungstemperaturen (bei gegebenem Druck) und
seine atomare Komposition charakterisiert, ersatzweise (wenn z.B. Umwandlungspunkte
nicht bestimmt werden können) durch ausgewählte intensive Größen
bei Normaldruck und -temperatur.
5. Der Begriff ›chemische Energie‹
Es existieren verschiedene Bedeutungen
des Energiebegriffs. Zwei davon sind im Kontext von Chemieunterricht bedeutsam:
1. Der thermodynamische Energiebegriff:
Bei chemischen Reaktionen (unter konstantem
Druck) ist die Enthalpiedifferenz der Edukte und Produkte (wenn keine Arbeit
geleistet wird) gleich der (z.B. mit Kalorimetern messbaren) Wärme
und/oder der Arbeit (z.B. der elektrischen Arbeit).
2. Der phänomenologische (bzw. der
technische) Energiebegriff:
Es gibt verschiedene Energiearten, z.B.
Wärmenergie, elektrische Energie usw.. Jede Energieart hat ihren spezifischen
Prozess. Energiearten können ineinander umgewandelt werden; hierfür
gilt ein Äquivalenzprinzip.
Der Zusammenhang der Grundbegriffe
Die fünf Grundbegriffe der Chemie
stehen in einer ausgezeichneten Beziehung zu einander: Wenn
man fünf Grundbegriffe annimmt, steht der Begriff ›chemische Reaktion‹
im Mittelpunkt eines Tetraeders, wenn man vier Grundbegriffe annimmt, steht
der Begriff ›chemische Reaktion‹ im Mittelpunkt eines Dreiecks; in diesem
Fall entfällt der Grundbegriff ›Element‹, weil der Grundbegriff ›Atom‹
mit dem Grundbegriff ›Element‹ gleichgesetzt werden kann (siehe die Begriffsdefinitionen
für ›chemisches Element‹). Die
Begriffsdefinition von ›chemische Reaktion‹ setzt die vier (drei) Grundbegriffe
an den Ecken des Tetraeders (Dreiecks) voraus.

Der Begriff ›chemische Reaktion‹ ist ein eindeutiger und unumstrittener Grundbegriff. Die anderen Grundbegriffe sind nicht eindeutig festgelegt. Dies ist teilweise historisch bedingt, da verschiedene eindeutige Begriffsbestimmungen nebeneinander gebraucht werden. Beim Begriff ›Stoff‹ ist es bis jetzt noch nicht gelungen, eine brauchbare Definition zu formulieren.
Der Begriff ›chemische Reaktion‹ ist ein
Prozessbegriff, die anderen Grundbegriffe beschreiben Zustände. ›Stoff‹,
›Element‹ und ›Element‹ bezeichnen das in einem Prozess (chemische Reaktion)
als invariant (dh. unverändert) Angesehene. Beispiel: Man sagt z.B.
beim Schmelzen bleibt der Stoff "erhalten", bei einer chemischen "Umwandlung"
bleibt das Element "erhalten", usw..
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