Kritk am bestehenden, naturwissenschaftlichen
Fachunterricht: Der Schulversuch im Auftrag des Kultusministeriums
Stuttgart ist aus dem Gedanken heraus entstanden, die praxisbezogene Lebensrelevanz
und die erzieherische Wirksamkeit der naturwissenschaftlichen Fächer
zu verstärken. Im Chemieunterricht spielt die Kreidechemie und das
systematische "Fach Chemie" leider immer noch eine übermäßige
Rolle. Erfahrungen zeigen, dass die Schüler und Schülerinnen
auf Klassenarbeiten meist nur ein oder zwei Tage davor lernen und den "Stoff"
schon nach wenigen Tagen vergessen haben. "Wissen" wird nicht verinnerlicht,
sondern bleibt an der Oberfläche (Kapitel
3 des Grundlagenartikels). Experimente werden oft nicht als wirkliche
Experimente durchgeführt, sondern lediglich als instrumentelle (Wiederholungs-)Übungen
(vgl. die Kriterien für verstehendes
und zusammenschauend-soziales Lernen). Außerdem ist der reine Fachunterricht
nicht erzieherisch wirksam (vgl. Kapitel
4).
Postulate für einen erzieherisch
wirksamen, naturwissenschaftlichen Unterricht: Ausgehend von der Kritik ist zu bemerken,
dass der bisherige naturwissenschafliche Unterricht nicht mehr den modernen,
gesellschaftlichen Anforderungen in der Berufswelt und innerhalb der demokratischen
Gesellschaft entspricht. Daher sind folgende Postulate zu fordern:
Die thematische Gliederung ist einer systematischen
Stoffverteilung vorzuziehen (Beispiel: Am Thema "x" werden verschiedene
Sachverhalte aufgezeigt, im Schulversuch: Das
Farbenprojekt)
Es sollte zwischen Schülerübungen,
d. h. dem instrumentellen Einüben von fachspezifischen Arbeitsweisen
(Destillieren, Filtrieren, Mikrosopieren, usw.) und zwischen einem echten
Experiment unterschieden werden. Für Experimente gelten die Kriterien
des verstehenden und zusammenschauenden-sozialen Lernens.
Jeder Schulabgänger sollte mindestens
einmal eine umfassende, themenbezogene und fächerverbindende, naturwissenschaftliche
Dokumentation angefertigt haben. Für das Verfassen gelten bestimmte
Kriterien. Die Organisation der Arbeit findet in Teamarbeit statt.
Das Reflektieren über Unterricht und
den eigenen Lernerfolg stärkt die personale Kompetenz. Aus diesem
Grunde sollte bei aller Art von Unterricht Reflexion in Form von Gesprächen
oder schriftlicher Rückmeldung in den Berichten stattfinden (vgl.
den Kriterienkatalog zur Projektdokumentation
im Farbenprojekt).
Fachinhalte werden teilweise auch weiterhin
durch einen darbietenden Unterricht vermittelt und z. B. durch Klassenarbeiten
überprüft, jedoch in einem geringeren Maße als bisher.
Ein erheblicher Teil an Inhalten sollte anhand praxisbezogener Übungen
erlernt werden. Dafür sind neue Beurteilungskriterien notwendig. Für
selbst durchgeführte, echte Experimente, für Übungen instrumenteller
Art oder für Referate und Dokumentationen werden Testate vergeben,
die auf die angefertigte Arbeit verweisen. Bei Firmenbewerbungen können
diese Testate zusammen mit einer Mappe, welche die in der Schule angefertigten
Dokumentationen enthält, präsentiert werden.