Wer sich mit dem Periodischen System der
chemischen Elemente befassen will, tut gut daran zu wissen, dass hierbei
das Wort 'Element' in zwei völlig verschiedenen Bedeutungen nebeneinander
verwendet wird:
Einmal meint man z.B. mit dem "Element
Gold" den gelb glänzenden, den elektrischen Strom hervorragend leitenden,
bei 1064°C schmelzenden und spezifisch sehr schweren Stoff (Dichte
19,32 g/cm³). Und ohne Vorwarnung meint man daneben mit dem "Element
Gold" auch das Goldatom, das gar keinen Schmelzpunkt haben kann und auch
nicht den Strom leiten, das für sich auch keine Farbe hat in dem Sinn
wie wir Farbe verstehen, sondern Farbe erst erzeugt, wenn sehr viele Atome
zu Stoffpartikeln oder Stoffportionen zusammentreten. Dann kann Gold rot
oder grün oder gelb-glänzend sein, bei Tageslicht betrachtet.
Die Betrachtung der elementaren Stoffe
stand im 19. Jahrhundert im Vordergrund als das Periodensystem der Elemente
entwickelt wurde. Die Betrachtung der elementaren Atome kam erst im 20.
Jahrhundert in den Blick.
Der Franzose Antoine Lavoisier (1743-1794)
übernahm Boyles Elementdefinition (ohne ihn namentlich zu nennen),
aber er hatte doch eine andere weiterführende Vorstellung vom
Element. Er unterschied 'matière' und 'principe'.
Die matière tritt in Erscheinung: die matière sulfurique
die Schwefelmaterie ist gelb und schmilzt zur gelben, später roten
Flüssigkeit. Aber in der Schwefelsäure sind das principe sulfurique
das Schwefelprinzip zusammen mit dem principe oxygènique
dem säurezeugenden Prinzip wirksam. Das principe sulfurique
verleiht der Schwefelsäure die individuellen Eigenschaften, die die
Schwefelsäure ausmachen, das principe oxygènique verleiht
ihr die allgemeinen Säureeigenschaften.
Als man die sogenannten imponderablen Stoffe Wärme, Licht und Elektrizität nicht mehr als Stoffe, sondern als "Kräfte" (Energien) ansah der Deutsche Julius Robert Mayer (1814-1878) beansprucht für diesen Gedanken die Priorität wurde das Problem der Stoffzusammensetzung wesentlich einfacher.
Da der Engländer William Prout (1785-1850) und der Deutsche Jeremias Benjamin Richter (1762-1807) inzwischen die Gesetze der konstanten und äquivalenten Massenproportionen der Stoffe entwickelt und experimentell belegt hatten 2 g Schwefel reagieren konstant mit 2 g Sauerstoff zu 4 g Schwefeldioxid oder konstant mit 3 g Sauerstoff zu 5 g Schwefeltrioxid brach die Zeit an, in der die Chemiker in aller Welt anfingen, alle möglichen Formeln für reine Stoffe aufzustellen. Erleichtert wurde dies dadurch, dass der Schwede Jöns Jakob Bezelius (1779-1848) ein Notierungssystem mit Buchstaben für die elementaren Stoffe entwickelte. Die bisher in diesem Text genannten chemischen Reaktionen können mit seinen Formel"gleichungen" (das = Zeichen darf nicht wie in der Mathematik gelesen werden!) so geschrieben werden:
2 H2O
= 2 H2 + O2
S + O2
= SO2
2S + 3O2 = 2 SO3
Die Kenntnisse über reine Stoffe wurden
immer größer ein Ordnungssystem wurde immer dringlicher, denn
man wollte ähnliche Stoffe zusammenfassen und deuten, wodurch die
Ähnlichkeit hervorgerufen wurde. Max Pettenkofer (1818-1901) in Deutschland,
John Alexander Newlands (1838-1898) in England, Alexandre Chancourtois
(1820-1866) in Frankreich hatten solche Ordnungssysteme entwickelt; wir
können sie als Vorläufer der modernen Periodensysteme ansehen.


Die Vorstellung, es gäbe erste Aufbausteine für alle Stoffe ("Atome") stammt von Demokrit (ca. 460-370 v. Chr.). Sie wurde seitdem immer wieder diskutiert. Aber erst seitdem der Engländer John Dalton (1766-1844) damit die konstanten und äquivalenten Massen-Proportionen von Prout und Richter plausibel erklärte Dalton selbst sprach vom Gesetz der konstanten und multiplen Proportionen , haben die Chemiker ein ganzes Jahrhundert lang gestritten, ob es Atome wirklich gibt. Mendelejew war es egal, ob es Atome gab oder nicht (er neigte dazu, sie als bequeme Gedankenmodelle anzusehen). Der Streit hörte erst auf, als sogenannte diskrete Phänomene (Lichtblitze oder Nebelkammerspuren verursacht durch radioaktive Präparate oder die vom US-Amerikaner Robert Andrews Millikan gefundenen ganzzahligen Amplituden von schwingenden Öltröpfchen, u.a.) nicht mehr anders zu deuten waren als durch die Annahme, Atome wären eben doch nicht unteilbar, sondern "aufgebaut" aus Elementarteilchen (Proton, Elektronen, Neutronen).
Hier nun setzte eine neue intensive Beschäftigung
mit dem Periodensystem der Elemente ein und es war der Däne Nils Bohr
(1885-1962), der als erster mit seiner Theorie des Atombaus zugleich die
von Mendelejew im Prinzip schon gefundenen Struktur des Periodensystems
deuten konnte. Seitdem stellt das Periodensystem der Elemente nicht nur
das gängige Ordnungssystem für die Fülle der Stoffe dar,
sondern darüber hinaus auch das Bildungsgesetz für die einzelnen
Atomsorten.
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