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  Henna
 
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Der eigentliche Farbstoff entsteht beim Färbeprozess mit den getrockneten und zerkleinerten Blättern. In der Pflanze liegt eine Vorstufe des Farbstoffes vor, das Glycosid Hennosid A, B oder C. Erst mit den Faserproteinen der Haare oder der Wolle wandelt sich das Glycosid zum Farbstoff Lawson um. Dieser eignet sich zum Färben von Haaren, von Wolle und zur Körperbemalung. Er ist beständig und relativ lichtecht. Henna kam früher als Textilfarbstoff hauptsächlich zum Färben von Seide und Leder zum Einsatz. Mehndi-Tätowierungen mit Henna werden im Gegensatz zur echten Tätowierung nur auf der obersten Hautschicht aufgebracht. 
  
 
Geschichte
Gewinnung
Toxikologie
Portraits
 
 
Geschichte und Verwendung
Henna war schon bei den alten Ägyptern und den Persern beliebt. Dies bezeugen Mumien aus dem alten Ägypten mit Hennabemalungen. Die besten Qualitäten kamen damals aus Khabis, Andûdjird und dem Distrikt Bandar Abbâs. Bei den Arabern war die Rotfärbung der Mähnen von Pferden sehr beliebt. Männer färbten sich ihre Bärte mit Henna. Beim "Aufstand der roten Augenbrauen" im Jahr 17 in China färbten sich die Bauern ihre Augenbrauen mit Henna und setzten mit der Farbe Orange ein politisches Zeichen des Wandels. 
    
Heute ist die Hennapflanze besonders auf dem Balkan, in der Türkei, in Nordafrika und auf den Philippinen beliebt. Sie blüht im Oktober oder November, an einigen Orten auch während des ganzen Jahres. Die leicht rosa gefärbten Blüten des zwei bis acht Meter hohen Hennastrauches strömen einen sehr starken Duft aus. Daher wurden sie im Orient schon im Altertum für die Parfümerie eingesetzt. Heute wächst der Strauch verwildert oder kultiviert vom Mittelmeerraum bis nach Indien. Die kurzen, gestielten und am Ende zugespitzten Blätter sitzen gegenständig an den Zweigen. Der Strauch benötigt warme Standorte und viel Licht. In Nordafrika findet man ihn auf Oasenplantagen oder aufgrund des betörenden Duftes auch in zahlreichen Innenhöfen. 
 
 
  Blätter des Hennastrauchs (Lawsonia inermis)
 
 
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 Die Bennung der Pflanze und des Farbstoffs erfolgte nach dem
schottischen Arzt und Mineralogen Isaac Lawson (1704-1747).
 
 
Der Ursprung der Henna-Tattoos, der Körperbemalung Mehndi, findet sich in Persien. Von dort breitete sich der Brauch nach Indien, Bangladesh und weiteren Ländern in Nordafrika und dem Sudan aus. Die Braut wird zur Hochzeit auf  Händen, Unterarmen und Füßen bemalt. Von großer Bedeutung ist in diesen Ländern auch das Färben von Nägeln. Die Körperbemalung mit Henna ist eine aufwändige Prozedur. Dabei wird nur die Oberhaut eingefärbt. Allerdings benötigt es sechs bis acht Stunden, bis ein Mehndi dauerhaft angebracht ist. Bei den angebotenen Färbungen in europäischen Touristenhochburgen ist Vorsicht geboten. Diese Farbmittel enthalten oft das stark toxische und krebserzeugende Haarfärbemittel p-Phenylendiamin (PPD). Im Gegensatz zum natürlichen Henna färbt dieser Farbstoff die Oberhaut bereits innerhalb von einer halben Stunde ein. 
  
Extrakte der Hennapflanze wirken keimtötend gegen bestimmte Bakterien. Schon im Altertum setzte man die Wirkstoffe bei Hautkrankheiten, Pocken und Lepra ein. Aufgelegte Hennablätter fördern bei Brandwunden, Sonnenbrand oder Zahnfleischentzündungen die Heilung. Ein Extrakt der Blätter wird zum Gurgeln bei Halsschmerzen oder als Tee gegen Darmkrankheiten und bei Hautinfektionen getrunken. 
 
 
Gewinnung und Färbungen
Die Blätter der Pflanze werden an einem schattigen Ort getrocknet. Die Sonne würde den rotfärbenden Farbstoff zerstören. Nach dem Trocknen wird das Pflanzenmaterial zu einem Pulver zermahlen. Die Blätter färben braunrot, während die reinen Stängel und die Wurzeln ein Karminrot ergeben. 
  
  
  Hennapulver rotfärbend und Lawson-Molekül
 
 
 Lawson
 
 
 
 
 Der Farbstoff Lawson entsteht bei der Färbung erst durch eine Umwandlung in Gegenwart von Eiweiß.
 
  
Beim Haarefärben wird rotfärbendes Hennapulver mit heißem Wasser zu einem Brei verrührt und auf das Haar aufgetragen. Das Abdecken mit Tüchern und die Zuführung von Wärme bei hoher Feuchtigkeit begünstigt die Farbintensität erheblich. Heute werden gelegentlich Wärmeapparate zum Bedampfen der Haare eingesetzt. Nach der Färbung wird der Brei ausgewaschen. Danach wäscht man die Haare gründlich mit Shampoo. Zum Varriieren der Farbe kann man auch Nusschalen, Krapp, Curcuma oder Zwiebelschalen hinzugeben. Für braune oder naturblonde Färbungen wurden früher auch gepulverte Blätter des Indigostrauches mit Henna vermischt. Die blaue Farbe neutralisiert die rote Farbe teilweise. Hennafärbungen auf Haaren sind dauerhaft, sie verschwinden erst durch das Nachwachsen der Haare.  
  
 
  Mit Henna gefärbte Wolle
 
 
 
 Mit einer Alaun-Vorbeize erhält man ein Orangegelb.
 
 
Zum Färben von Wolle wird das Hennapulver einen halben Tag lang in Wasser eingeweicht. Dann erfolgt ein kurzes Aufkochen, die Temperatur wird bei 80°C eine Stunde lang konstant gehalten. Die Färbung der Wolle erfolgt über eine Dreiviertelstunde bei 90°C. Beim Färben von Wolle erhält man mit einer Alaun-Vorbeize hellorange Färbungen, ohne Vorbeize fallen die Färbungen eher braunrot oder ockerfarben aus. 
 
 
Toxikologie
Farbstoffstäube sollten grundsätzlich nicht eingeatmet werden. Einige Hennaprodukte zum Haarefärben enthalten leider auch synthetische Farbstoffe oder toxische Beizmittel, die das Erbgut schädigen oder Allergien auslösen können. Diese Zusätze verstärken die Farbintensität. Zum Färben von Haaren wird nur das Naturprodukt der rotfärbenden Henna ohne Zusätze empfohlen. Von ihr ist keine allergieauslösenden Wirkung zu erwarten. Ein früher vermutetes krebsauslösendes Potential konnte nicht bestätigt werden. 
 
 
Weitere Infos
Farbenprojekt Schminken und Haare färben 
Die Farbe Orange 
Referat Chemie der Haare
 
 
 
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