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Salzsäure (Chlorwasserstoff)           HCl
 
 
Gefahrenhinweise: 
Chlorwasserstoffgas verursacht schwere Verätzungen in den Atemwegen. Beim Arbeiten mit der konzentrierten Lösung von Chlorwasserstoffgas in Wasser (konzentrierte Salzsäure aq. 37%) müssen Schutzbrille und Schutzhandschuhe getragen werden. Das Einatmen von Salzsäuredämpfen ist unbedingt zu vermeiden. 
  
Eigenschaften: 
Hält man eine offene Flasche mit konzentrierter Ammoniaklösung an die Öffnung einer Salzsäureflasche entsteht ein weißer Nebel. Das Ammoniakgas (NH3) reagiert dabei mit dem Salzsäuregas (HCl) zu Ammoniumchlorid (NH4Cl).
 
Die uns bekannte, konzentrierte, 37%ige Salzsäure ist eine 37%ige Lösung von Chlorwasserstoffgas („Salzsäuregas“) in Wasser. Diese Säure wird auch als rauchende Salzsäure bezeichnet, da sie ständig wieder Chlorwasserstoffgas  an die Luft abgibt. Das Gas löst sich sehr gerne im Wasser. Dabei gibt der Chlorwasserstoff ein Proton an das Wassermolekül ab, wobei H3O+-Ionen entstehen:
 
 
 
Im Rundkolben, der mit Stopfen und Glasdüse verschlossen ist, befindet sich Salzsäuregas. Sobald man das Ende der Düse in das mit Universalindikator versetzte Wasser hält, wird das Wasser in den Kolben gesaugt und der Indikator färbt sich von grün nach rot (Animation des "Springbrunnens"). 
 
Ein Liter Wasser kann 525 Liter Salzsäuregas lösen! Die ersten Wassertropfen, die in den Rundkolben gelangen, lösen den gesamten Volumeninhalt des Rundkolbens an Salzsäuregas, so dass ein Vakuum entsteht. Dieses "saugt" dann den Rest des Wassers in den Rundkolben. Bei dieser Reaktion entstehen die Chlorid- und die H3O+-Ionen, welche in der wässrigen Salzsäurelösung enthalten sind. Die H3O+-Ionen verursachen die bekannten Säureeigenschaften. Die wässrige Salzsäurelösung leitet elektrischen Strom, weil sie die beiden Ionen enthält. 
 
Salzsäuregas löst sich sehr gerne in Wasser
 
Salzsäure reagiert auch sehr gerne mit unedlen Metallen unter Bildung von Wasserstoff zu Metallsalzen. Dabei entstehen immer Chloride, die Salze der Salzsäure, Beispiele:
 
     Eisen        +     Salzsäure   -------->          Eisenchlorid         +     Wasserstoff
Magnesium    +     Salzsäure   -------->     Magnesiumchlorid     +    Wasserstoff
   Natrium      +     Salzsäure   -------->        Natriumchlorid       +     Wasserstoff
 
 
 Reaktionen der Salzsäure mit Metallen und Metalloxiden:
 
  
Magnesium, Zink, Kupfer
Kupferoxid
Rückstand (Kupferchlorid)
 
 
Eisen wird durch Salzsäure und Salzsäuregas leicht zum Rosten gebracht. Mit Metalloxiden reagiert Salzsäure ebenfalls. Reines Kupfer wird von Salzsäure nicht zersetzt, wohl aber Kupferoxid. Eine Gasentwicklung ist dabei nicht zu beobachten, da statt Wasserstoff Wasser entsteht:
 
Kupferoxid    +    Salzsäure    -------->   Kupferchlorid  +  Wasser
 
 
Mit Kalk (Calciumcarbonat) reagiert die Salzsäure unter Kohlenstoffdioxid-Entwicklung: 

Calciumcarbonat  +  Salzsäure  -----> 
Calciumchlorid    +  Kohlenstoffdioxid  + Wasser 
 
Bild rechts: Gibt man verdünnte Salzsäure auf Calcit (Calciumcarbonat) erfolgt Aufschäumen. So kann ein Mineraliensammler einen Calcit von einem Quarz unterscheiden. 
 

 
Salzsäure würde sich zwar eignen, um Kalkrückstände in Wasserrohren zu beseitigen, sie reagiert aber eventuell mit dem Metall von eisenhaltigen Wasserrohren und würde diese unter Wasserstoffentwicklung zersetzen.
 
Herstellung: 
Chlorwasserstoffgas entsteht, wenn Chlor mit Wasserstoff reagiert. Diese Reaktion kann, vor allem unter Lichteinwirkung, explosionsartig erfolgen: 
 
Wasserstoff  +  Chlor  -------->  Chlorwasserstoff 
        H2         +   Cl2    -------->             2HCl 

Im Labor kann Salzsäuregas auch durch die Umsetzung von Natriumchlorid (Kochsalz) und Schwefelsäure gewonnen werden. Dieses Verfahren wurde bereits durch den Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber (1604-1670) beschrieben: 

 
Johann Rudolph Glauber
 
 Natriumchlorid  +  Schwefelsäure  ----->  Salzsäuregas  +  Natriumhydrogensulfat
       NaCl           +       H2SO4        ----->         HCl         +              NaHSO4
 
Auf diese Herstellungsmethode geht der Name der Salzsäure zurück ("Säure aus Salz"). Die beiden beschriebenen Verfahren spielen heute jedoch in der technischen Gewinnung keine Bedeutung. Die größte Menge an Salzsäure gewinnt man bei Chlorierungs-Prozessen in der organischen Chemie, wo sie als Nebenprodukt anfällt. Beispiel:
 
Herstellung von Vinylchlorid aus Ethen:
 
   Ethen      +   Chlor  -------->    Dichlorethan    -------->  Vinylchlorid  + Salzsäure
H2C=CH2  +     Cl   -------->  ClH2C-CH2Cl   -------->   H2C=CHCl   +    HCl
 
Vinylchlorid ist ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung des Kunststoffes PVC (Polyvinylchlorid). Im ersten Schritt wird das Ethen durch eine elektrophile Addition mit Chlor zu Dichlorethan chloriert. Im zweiten Schritt wird Chlor mit Hilfe eines Aluminiumoxid-Katalysators eliminiert.
 
Das Salzsäuregas lässt man in Türmen herabrieselndem Wasser entgegenströmen, wobei die uns bekannte wässrige Salzsäurelösung entsteht:
 
 
 
Vorkommen:
Salzsäure befindet sich im menschlichen Magensaft in einer Konzentration von etwa 0,3%. Sie fördert die Verdauung und zerstört schädliche Bakterien. Die Magenwände sind mit einer säurebeständigen Schutzwand ausgestattet, damit sie nicht von der Magensäure zersetzt werden.

Verwendung:
Die Salzsäure kann zum Reinigen von Kalkrückständen an Fliesen verwendet werden. Sie ist ein wichtiger Stoff für Laborversuche und dient als Zwischenprodukt zur Herstellung zahlreicher Stoffe, wie Chloride (z.B. Silberchlorid) und organische Chlorverbindungen (z. B. PVC). Eine Mischung von Salzsäure und Salpetersäure wird als Königswasser bezeichnet, welches Gold auflöst.
 
 
   Versuch: Der Salzsäure-Springbrunnen

 
Andere Internet-Seiten:
 
Chemikaliensteckbrief Salzsäure
 
Reaktion von Metallen mit Salzsäure (Uni Siegen)
 
Chlorwasserstoff als Gefahrstoff im ICSC