Die zuvor hergestellten
Pigmente können mit Hilfe von Bindemitteln
zu einer hochwertigen Malfarbe weiterverarbeitet werden. Zur Herstellung
von ölhaltigen Farben wird Leinöl einfach
mit dem Pigment verrührt. Ölhaltige
Lacke mit Leinöl und Ölmalereien
sind sehr beständig, da die ungesättigten Fettsäuren des
Leinöls an der Luft aushärten und oxidieren.
Pigment +
Leinöl = Ölfarbe
Aquarellfarben enthalten Gummi Arabicum
und Dextrin als Bindemittel. Letzteres wird durch das Rösten von Mais-
oder Kartoffelstärke gewonnen. Gummi Arabicum ist das Harz einer Akazienart.
Die Schüler und Schülerinnen
sollen zuerst einmal beide Malfarben herstellen und miteinander vergleichen
(Download der Anleitung).
Erst nach den ersten, provisorischen Malexperimenten erfolgt die Einführung
in die Öl- oder Aquarellmalerei. Das Malen mit derartigen Farben stellt
jedoch erheblich höhere Ansprüche an die Schüler als die
Caseinmalerei. Eine gründliche Vorbereitung
und Einführung zum Umgang mit der Farbe ist notwendig, wenn gegenständlich
gemalt werden soll.
Die Schwierigkeit bei der Aquarellmalerei
liegt im Vergleich zum Malen mit Casein darin,
dass durch die Verdünnung mit Wasser unterschiedliche Nuancen der
Farbe erzeugt werden. Je mehr Wasser zugegeben
wird, umso mehr hellt sich der Farbton auf. Gerade dieser Effekt wird oft
eingesetzt, um Tiefenwirkung zu erzeugen, zum Beispiel, wenn die Berge
am Horizont durch den Dunst nach hinten allmählich blasser werden.
Die Schüler sollten diese Maltechnik gründlich üben (siehe
Bild oben). Anfangs wird die Aquarellfarbe meist viel zu dick aufgetragen.
Die besten Effekte werden aber gerade oft durch sehr spärliches Auftragen
von Farbe erzielt. Große Aquarellmaler waren Albrecht Dürer
(1471-1528) und die Engländer John Constable (1776-1877) und J.M.W.
Turner (1775-1851). Berühmt geworden sind auch die Aquarelle der Tunisreise
von August Macke und Paul Klee und die
fantastischen, nordfriesischen Landschaftsbilder des deutschen Malers des
Expressionismus Emil Nolde.
Bei der Aquarellmalerei kann auf nassem
oder trockenem Papier gemalt werden. Bei einem nassen Untergrund verfließen
die Farben. Das Verfließen-Lassen (auch von Farben untereinander)
wird von Malern oft als Stilmittel eingesetzt. Die folgende Übung
macht den Schülern viel Spaß: Ein Bogen saugfähiges Papier
(Aquarellpapier) wird in der Mitte gefaltet und mit einem Schwamm befeuchtet.
Auf der einen Seite wird die Hälfte eines Schmetterlingflügels
gemalt. Danach klappt man die beiden Hälften zusammen. Durch Fließeffekte
entstehen auf diese Art und Weise oft faszinierende Ergebnisse.
Für die Schüler ist es meist
auch ungewohnt, dass bei der Aquarellmalerei die Farbe Weiß nicht
durch das Auftragen von Farbe erzeugt wird, sondern durch das Freilassen
von weißen Flächen. Sollen die Schüler gegenständlich
malen (Blumen, Landschaften, usw.), dann sollte die Lehrkraft einige Erfahrung
selbst mitbringen und den Schülern viel Zeit zum Experimentieren lassen.
Das Malen mit Aquarellfarben macht erfahrungsgemäß im Freien
am meisten Spaß.
Das Malen mit Ölfarben in der Schule
gestaltet sich schwieriger, vor allem wegen der Reinigung der ölgetränkten
Pinsel mit Terpentin oder Benzin. Es wird daher in den meisten Fällen
ausreichen, wenn die Schüler das Prinzip der Ölfarbenherstellung
kennengelernt haben. Das Thema "Leinöl"
ist aber im Hinblick auf die vielfältige Verwendung des nachwachsenden
Rohstoffes von Bedeutung (siehe nächste Seite).
Arbeitsaufgaben:
1.) Sammle in deinem Ordner Informationen
über die wichtigsten Bindemittel!
2.) Worin liegt der Unterschied
zwischen der Maltechnik mit Caseinfarben und Aquarellfarben?
3.) Informiere dich über die
Aquarellmalerei der Maler Albrecht
Dürer (>Internet), J.M.W.
Turner (>Internet), August Macke und Emil Nolde
und berichte in deinem Ordner?