Bergwelt
 
 
Berge unter lichten Wolken,
 
Sturzbach, der zu Tale rauscht,
 
Herdenkühe, frisch gemolken,
 
Gemse, die Gefahr erlauscht;
 
Bergblumen ducken ihre Köpfe,
 
zwei Murmeltiere halten Wacht,
 
an Krüppellärchen flattern Zöpfe,
 
die Wind und Wetter grau gemacht.
 
Ich wandere dem Licht entgegen,
 
bestaun` die hehre Alpenwelt,
 
trotze kaltem Wind und Regen
 
und bin wie selten aufgestellt.
 
Rund um mich tanzen Nebelfetzen,
 
feuchten mir das Haar, die Haut;
 
Perlenpracht auf Spinnennetzen,
 
so schön, wie ich noch nie geschaut.
 
Märchenzauber? Zauberwelten?
 
ich verlier` mich hoffnungslos darin,
 
geniess` die Luft, die rein und sauber
 
und fühle, dass ich glücklich bin.
 
 
 
Die Wolkendecke, nun gerissen,
 
weicht dem zarten Himmelsblau,
 
verziert von weissen Wolkenkissen;
 
Gletscherwind wird lind und lau.
 
Seufzend pack` ich meine Sachen,
 
greif` zögernd nach dem Wanderstab,
 
durch meine Seele zieht ein Lachen,
 
das ich schon fast vergessen hab`.
 
 
 
Abwärts lenk` ich meine Schritte,
 
verlass` die hehre Zauberwelt;
 
hoch zum Himmel geht die Bitte,
 
dass der Herr sie lange noch erhält.
 
 
 
August 1999 "Bergwelt" (Georg Segessenmann)