Als Gott der Herr....
 
 
Als Gott der Herr die Welt erschaffen
 
  mit all den Tieren bis zum Affen,
 
da dünkte ihn, es fehl` noch was,
 
   na so was wie im Spiel das As.
 
Drum nahm er einen Klumpen Lehm,
 
setzte sich auf den Thron bequem,
 
dann knetete er mit voller Kraft
 
und hatte bald es schon geschafft
 
den Adam aus dem Lehm zu formen,
 
ganz ohne Plan und ohne Normen.
 
Dann trank er noch ein Schlücklein Wein
 
und blies Adam seinen Odem ein.
 
Obwohl das Werk den HERRN erfreute
 
und ihn der Lehm kein bisschen reute,
 
hörte er nach ein paar Tagen
 
sich selber bitterlich beklagen:
 
"Der Prototyp ist zwar gelungen;
 
er hat ein Herz und Leber, Lungen,
 
doch irgendwie scheint mir beim Bein
 
ein kleines Stück zuviel zu sein.
 
Darum erschaff`` ich jetzt im Nu
 
'nen weiteren Mensch, ohne, dazu".
 
Gesagt, getan, gewagt, wohlan;
 
was er erschuf, war wohlgetan.
 
Mal kurzes Haar, mal langes Haar;
 
es war ein schönes Menschenpaar,
 
das sich da in der Sonne sonnte
 
und Gott den HERRN erfreuen konnte.
 
"Nun zieht ins Paradies sogleich
 
und wachset und vermehret euch;
 
benehmet euch wie Frau und Mann
 
und macht die Erd` euch untertan"!
 
Die beiden taten wie befohlen,
 
vermehrten sich ganz unverhohlen,
 
und schon nach ein paar kurzen Jahren
 
sie eine grosse Sippe waren,
 
die sich, wie Gott sie einst belehrte,
 
sich wie Karnickel stets vermehrte.
 
Doch bald hat Gott es Leid getan;
 
sie machten nicht nur untertan,
 
sie rotteten auch fleissig aus;
 
die Erde wurde, Graus oh Graus
 
in eine Wüstenei verwandelt,
 
das Paradies wurde verschandelt.
 
Der HERR schaut zu; erbost? Vergrämt?
 
Ob er sich seiner "Tat" wohl schämt?
 
 
(Georg Segessenmann)