| Gespenstergeschichten
Gestern Mittag um halb acht
Klingelt es an meinem Fenster.
Ich geh hin und mache auf
und da schweben zwei Gespenster.
Die sagen: Buh, wir wollen nicht stören
und es ist ja auch schon spät,
doch das Eine sollen sie hören:
Dass es so nicht weiter geht.
Heißes Wasser aus der Wand
Dass es dampft im ganzen Land.
Handy, Player, Telefon
Akkuzivilisation
Internet mit flatten Raten
Kunstlicht überall im Garten.
Mit Kerosin die Welt umfliegen
um´s Ballermännchen hochzukriegen.
Mensch, bedenke was Du tust
und was aus Deinem Schornstein rußt.
Ich blicke die Gespenster an
Und denke mir, da ist was dran.
Die treiben mich jetzt in die Enge.
Höchste Zeit, dass ich verdränge,
dass wir alle hier global
schaufeln unsere eigene Qual.
Die Gespenster fahren fort,
doch ich fall Ihnen ins Wort.
Ja glaubt Ihr weißbetuchten Laken
ich würde jetzt in Demut staken?
Ohne Kabel, ohne Stecker,
ohne Batteriefunkwecker?
Ja, das sollst Du, fallen Sie ein.
Lass endlich diesen Stromfraß sein.
Das sag ich, könnt Ihr gleich vergessen.
Strom kann man doch gar nicht essen.
Oder wurde je einer satt
von dreizehn Volt und zwanzig Watt?
Nein, aber immer sind zur Stelle
Spaghettis aus der Mikrowelle.
Die gabel ich mit Bolognese
und zeig Euch eine lange Neese.
Oh Mensch, Du hochbegabtes Primitiv,
Du sprießt grad wie der Spargel
schief.
Und so verschränkt ist auch Dein
Denken.
Willst Du es nie zum Bessern lenken?
Denk doch mal, in hundert Jahren
Wirst Du nicht mehr Auto fahren.
Kein Benzin tropft überall
und Dein Porsche bleibt im Stall.
Hallo hoppla, schweigt mal still.
Mein Auto fährt wann ich es will.
Und dürsten meine hundert Gäule
fahr ich zum Tanken an die Säule.
Da braucht Ihr mit Gespenstgeschichten
mir keinen Mangel anzudichten.
Hey Mensch, Du Erdöldestillat,
versteh doch und begreif es grad.
Wenn Du nicht lernst, auch zu verzichten
wirst Du dich selbst von hier vernichten.
Da hilft die Börse Dir nicht mit
Moneten
zur Flucht auf andere Planeten.
Du kreist um Dich mit Deinem Stuss.
Die Welt ist rund ... Kopernikus!
Oh Geister, die Ihr bei mir tingelt
Und morgen noch beim Nachbarn klingelt.
Verschont mich heut mit Eurem Wort.
Ich bin zufrieden hier am Ort.
Ich habe Strom und Energie.
Ich bin geladen wie noch nie.
Schwebt bloß von dannen durch den
Wald,
mein Badewasser wird gleich kalt.
Die Beiden ziehen sich zurück
Mit einem grußlos leeren Blick.
Ich leg mich in die Badewanne,
genieße Rotwein aus der Kanne.
Oh ja, mir geht es hier nicht schlecht.
Die Geister waren bestimmt nicht echt
...
(Werner Rohrmoser) |