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Die Menschlichkeit des Gehens 
 

Das Gehen ist des Menschen Menschlichkeit, 
jedoch von diesem hat er sich befreit, 
Fahren ist nun seine Leidenschaft, 
doch möglichst nicht aus eig'ner Kraft. 

Der Mensch, ein Wesen auf zwei Beinen, 
muss mit seinem Auto heut' erscheinen, 
er hat’s nicht nötig, geht nicht mehr, 
wie ein eitler Geck fährt er umher.

Das Auto wird gefahren und bewegt,
als heil'ges Eigentum gepflegt,
das Auto ist, es ist doch wahr, 
ein wunderbares Exemplar!

Das Auto macht uns frei und so mobil, 
fährt schnell und mühelos ans Ziel, 
jedoch der zeitliche Gewinn, 
macht vielfach keinen Sinn! 

Das Fahren mit Motor, das schadet sehr, 
dem Menschen und der Umwelt immer mehr, 
es führt zu Ungeduld und großer Hast, 
nur selten gönnen wir uns eine Rast.

Die schöne Landschaft wird verschandelt, 
durch den Mensch, der sie misshandelt.
Wieviel Leid muss noch gescheh'n, 
bis wir Menschen das versteh'n? 

Fahren hat verdrängt das Gehen, 
wie wir heute leider sehen. 
Betrachten wir es einmal richtig, 
das Auto wär' gar nicht so wichtig, 

Wir müssen uns nun öfters fragen, 
brauchen wir den heil'gen Wagen? 
Lässt sich dieser Weg auch geh'n, 
zu Fuss, das wär doch schön! 

Das Fahren mit dem Auto ist hingegen,
eine mind're Form sich zu bewegen,
aber wer das Gehen neu entdeckt, 
der wird auch innerlich geweckt. 

Den Boden an den Beinen spüren,
ein Gespräch mit jemandem zu führen,
das ist es wohlbedacht,
was den Mensch zum Menschen macht.

Das Gehen ist des Menschen Menschlichkeit, 
das Ehrenvolle und die Selbstverständlichkeit. 
Erst wenn der Mensch sich dieses wird bewusst, 
dann ist das Gehen für ihn kein Verlust. 

(Bruno Köstli, *14.04.1948)