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Gedichte von Manfred Burba
 
 
Nächtlicher Hafen

Die Flut erreicht den Hafen
und Kutter laufen ein.
Aus engen Ruderhäusern
dringt trüber Lampenschein.

Vom Feuer auf der Mole
erleuchtet ist der Strand.
Es treiben grau im Wasser
die Möwen vor dem Land.

Die See umspült die Buhnen
und Nebel zieht heran.
Im Hafenbecken legen
die letzten Schiffe an.

Ein Wind bewegt die Flaggen
am menschenleeren Kai.
Erloschen sind die Lichter
der Hafenmeisterei.

Die Nacht verschließt den Hafen.
Als Regen rinnt die Zeit.
Die Brandung in der Ferne
rauscht durch die Dunkelheit.
 
(Manfred Burba, * 1936) 

 
 
Das Lied vom sauren Regen  
(Nach der Melodie: Nun ruhen alle Wälder)  
  
  
Die Mär ist umgegangen,  
wir hören sie befangen:  
Der Wald ist in Gefahr!  
Die Bäume steh'n und leiden,  
es tropft von ihren Zweigen  
ein saurer Regen Jahr für Jahr.  

Wie ist die Luft entschieden  
verschmutzt mit Stickoxiden  
und Schwefeldioxid!  
Wir aber diskutieren  
und bagatellisieren  
die Folgen, die ein jeder mied.  

Seht ihr den Baum dort stehen?  
Er ist doch noch zu sehen!  
Das ist so unsre Sicht.  
Den Tod im dürren Wipfel,  
den kahlen Ast, die Gipfel  
mit gelben Blättern sehn wir nicht.  

Wir stolzen Wohlstandskinder  
sind arge Umweltsünder  
mit rücksichtslosem Ziel.  
Wir ahnen zwar das Ende  
und reden von der Wende,  
nur ändern wollen wir nicht viel.  

So legt euch denn, ihr Wälder,  
ihr Wiesen und ihr Felder  
ins saure Massengrab.  
Die Schwätzer und die Schläfer  
und auch der Borkenkäfer,  
sie folgen euch schon bald hinab.  
  
(Manfred Burba, * 1936)