Mail an den Autor

 
Ich war mal Tausende von Jahren alt, 
war einer, der als der Größte galt. 
Lebte hier mit vielen Verwandten, 
vor der Zeit als wir den Menschen kannten. 

Schon manche Jahre ist es her, 
als mir das Leben wurde schwer. 
Auspuffgase und Fabrikgestank 
mir langsam immer näher stand. 

Selbst die Tiere, unsre Freunde, hatten's schwer 
die Luft zu atmen, voll Gestank und Teer. 
Und der Regen stank nach Schwefel, 
das war des Menschen Frevel. 

Smog und Gestank vernebelten die Bäume 
wir verloren unsre Hoffnung und die Träume 
Die Schwachen von uns starben, und wir alle 
fühlten uns ganz schrecklich in der Falle. 

Meine Größe half mir weiter in der schlechten Zeit, 
konnte mich noch säubern, war vom gröbsten Dreck befreit. 
Habe die Hoffnung nie aufgegeben, 
hab vieles überlebt, Vulkanausbrüche und die größten Beben. 

Es ist nicht lange her, mir wurde klar, 
dass dies nur eine Hoffnung war. 
Es kam ein Mensch und sah mich dann im Licht, 
er markierte meinen Stamm mit einem Lächeln im Gesicht. 

Abends ging er und ich habe nur daran gedacht, 
nichts kann mir mehr helfen in der letzten Nacht. 
Ließ die Blätter hängen, nahm kein Wasser auf, 
wusste, morgen nimmt das Schicksal seinen Lauf. 

Sie kamen in der Früh, ich an nichts mehr dachte, 
hörte nur noch, wie die Säge krachte. 
sie stach tief in meine Rinde, es zerschnitt mein Herz, 
das war mein Tod, ich spürte keinen Schmerz. 

Langsam fiel ich um, es war vorbei, 
den Menschen war es einerlei. 
Sie sägten meinen Stamm in kleine Paletten 
und rissen meine Wurzeln aus mit Ketten. 

Kam zur Fabrik, wurde gewalzt, gebrannt und verbogen, 
und in schreiende Maschinen verschoben. 
Raus kamen jämmerliche Reste von meiner einstigen Größe, 
gebe mich nun als Schrank oder gar als Papier die Blöße. 
 

(Daniel Biniasch, * 06.10.1979)