Babylonische Reiter
  [Hommage an S. J.]
 
  Gott, sind wir klüger geworden
  wir trümmern Atom auf Atoll
  die Kühnheit, im Großen zu morden
  das Fortschrittsmaß machen wir voll
 
  Im Sattel: Gespenst über Sphären
  im Galopp reißt’s uns weiter ins All
  die Zweifler - wir lassen sie mähren
  auf dem Giebel der Welt ragt der Phall
 
  ‘Forever young’  hören wir’s plärren
  seit Alphaville sind wir bereit
  und rosshoch jagen wir Herren
  es ruft die Unsterblichkeit
  
  Wir reiten den Nachthengst und schnellen
  den Horizonten voraus
  die Hufe sie wirbeln und prellen
  wie Feuerstein auf unser Haus
 
  Was unten war, jetzt ist es oben
  kopfüber - des Bockigen Kreuz
  die Welt aus den Angeln gehoben
  die Fugen gesprengt - und wen reut’s ?
 
  Die Meere versengt und zerstoben
  die Kometen verjagt mit Geheul
  Wir thronen und fühlen uns oben
  wenn die Kruppe die Sterne verbeult
 
  Zum Amoklauf sind wir geboren
  als Mensch, der sich selber genügt
  Nur weiter: dem Wahnsinn die Sporen
  noch hat uns kein Schöpfer gerügt!
 
  (Michael Lobisch-Delija)