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Gedichte von Andre Selbach
* 18.12.1964
 
 
DU LIEBST SO SELTSAM

du liebst so seltsam
dein herz übt widerstand
du nimmst mich in rätsel-haft
mein kopf gegen deine wand

du bist nicht zu fassen
umarmst mich in abwesenheit
reichst mir kleine finger
sorgst dass die distanz noch bleibt

du sammelst meine träume
und verhütest deine seele
lässt mich nicht zu dir
machst dass ich dich verfehle

gibst dich nicht preis
bleibst standhaft im ausweichen
wann immer du mir antwortest
dann stets mit fragezeichen

du liebst so seltsam
verordnest dir verstand
überlächelst meine zweifel
treibst mich zum wahnsinnsrand

verhätschelst mich mit phrasen
niemals schluss mit lustig
dass du es nie ernst meinst
im grunde wohl das wusst ich

doch mit jedem mal
verführst du mich zum hoffen
doch mit jedem mal
bleibt das ende offen

du lockst mit illusionen
und failschst mit zuversicht
die einzige gewissheit ist
gewissheit gibst du nicht

SO NAH SO FERN

es gibt nichts mehr zu fühlen
unsre herzen sind so träge
keine leidenschaft zu kühlen
keine haut die sanft verbrennt

verlangen weicht gewohnheit
verbrauchte emotionen
verkatert mit der zeit
der rausch vom happy-end

da ist nichts mehr zu erobern
und nichts mehr zu erkämpfen
nur flammen die verlodern
und kein hunger mehr zu stillen

die sicherheit macht müde
die sehnsucht einfach pause
die phantasie wird prüde
schwärzt rosarote brillen

der alltag ist alltäglich
und nicht mehr heiß ersehnt
der restwert ist so kläglich
den diese liebe hat

wir sind hingekommen
wo alle wege enden
der himmel ist erklommen
wir stürzen beide ab

wir reagieren hilflos
entschuldigen mit gründen
und treiben weiter ziellos
als ob wir machtlos wär'n

so groß ist die gefahr
die wir uns weglügen
noch nie war'n wir so nah
uns so furchtbar fern